
Mátyás Szamos schaffte es mit Ausdauer und Fleiß, in der Bäckerei und Konditorei des berühmten József E. Auguszt lernend, den Grundstein seines Familienunternehmens zu legen. (Über die berühmte Konditorei Auguszt siehe den Beitrag vom 26.06.2014: Erdbeercode-Schnitte.) Dieser Grundstein war eine süße Versuchung, die, von einem dänischen Konditor aufgefordert, Mátyás Szamos veranlasste, aus der Zucker-Mandelmasse, sprich Marzipan, eine Rose zu formen: die seither berühmte Szamos-Rose. Es ging stetig aufwärts, bis von äußeren Gegebenheiten unbeeinflusst, aus der ’Schopfen’-Backstube mit drei Gehilfen ein Gourmet-Imperium aufgebaut wurde. 1968 konnte sich Mátyás Szamos selbständig machen, seit 44 Jahren wird Szamos Marcipán in zweiter bzw. schon dritter Generation vom Familiensitz in Pilisvörösvár nördlich von Budapest geleitet. Von drei stieg die Zahl der Beschäftigten auf 500 an, es wird ein Jahresumsatz von bruttó 3 Milliarden Forint erwirtschaftet.
Seit 1990 werden 30% der Produkte exportiert, nach Österreich, wo vor knapp einem Jahr die eingangs genannte Konditorei eröffnet wurde, Deutschland, in die Schweiz und auch nach New York.
Szamos hat sich zum Brand entwickelt, dürfte und sollte im gleichen Atemzug mit Lübeck (Lübecker Marzipan) genannt werden. Das klingt überheblich, man vergegenwärtige sich aber den ’Altersunterschied’: Marzipan, d.h. Martzapaen wurde in den Lübecker Zunftrollen 1530 erstmals erwähnt, als Lübecker begann er Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt zu werden.
Über Ungarn spannt sich ein Szamos Marcipán-Netz aus 25 Konditoreien, das Flaggschiff ist das Szamos Gourmet Haus in der Pester City, Ecke Vörösmarty tér-Váci utca-Deák Ferenc utca. Auf dem Platz, dem Vörösmarty tér, vor dem Eingang zu Szamos lockt gerade einer, der bestimmt bekannteste und schönste Advents- und Weihnachtsmarkt in Budapest. Eine Konkurrenz für Szamos?

Nein, ganz im Gegenteil: in diesen Wochen zu Jahresende erwirtschaftet die noble Café-Konditorei 50% ihres Jahresumsatzes. Im gediegenen Ambiente fühlt sich der Gast in die Zeit der traditionellen Kaffeehauskultur versetzt. Hier ist Tradition oberstes Gebot; der Gast hat die Qual der Wahl: was genehmigt man sich zur Tasse Kaffee? Nur Teegebäck oder eine Schnitte Sauerkirschen-Linzertorte, Dobostorte, Eszterházy Torte… Es geht aber auch ganz anders, denn wer diesmal aufs Süße verzichtet, der kann sich Delikatessen aus der kalten Küche bestellen. Und immer wieder gibt es neue Kreationen, jetzt, in der Vorweihnachtszeit die Salzmandeln-, Vanille-Karamell- und Pralinen-Bonbons, die in Seiden- und Staniolpapier verpackt die ungarischen Christbäume schmücken. Diese ’szaloncukor’ sind echte Hungarika – 10 Geschmackssorten insgesamt -, die dem ausländischen Gast als typisch ungarisch erklärt werden müssen. Warum eigentlich ’szalon’+’cukor’, also Salonzuckerl, pardon Salonbonbons? Vieleicht weil der Weihnachtsbaum in der guten stube, im Salon aufgestellt und geschmückt wurde? Die Erklärung bleibe ich schuldig. Niemand konnte mir den Ursprung des Begriffes erklären und auch das Surfen im Internet gb ich auf. Die ursprünglichen ’szaloncukorka’ (Diminutiv) aus harter Fondantmasse haben sich mit der Zeit zu süßen Versuchungen aus gefülltem Marzipan mit Schokoglasur genausert.

