Vermarktung für alle
„Wir eröffnen neue Domainsionen”, so Ronald Schwärzler, Geschäftsführer von punkt.wien. Damit ist klar: Obwohl .wien gewisse Domains für die Stadt Wien und öffentliche Interessen reserviert, soll die Endung breit vermarktet werden. Dazu gibt es unter anderem eine Kooperation mit dem Fußballklub Austria Wien, um über den Verein und durch Aktionen in der Halbzeitpause Endkunden zu erreichen. Generell setzt das Projekt auf Lokalpatriotismus als Verkaufsargument und hat auch ein klares Mindestziel. Ab 40.000 verkauften Domains wird es laut Schwärzler interessant.
Geplant ist, im dritten Quartal mit der ersten Registrierungsphase für bekannte Marken zu starten, eine Domain soll dabei 800 bis 1.000 Euro für zehn Jahre kommen. Dem folgt eine Landrush-Phase, in der beliebte Namen versteigert werden, ehe letztlich jeder eine .wien-Domain bekommen kann – ein klares wirtschaftliches Konzept also. „Andere – speziell wenn sie aus dem öffentlichen Umfeld kommen – haben viele Fragen noch nicht geklärt, was ihre Domainvergabepolitik und Preisgestaltung betrifft”, betont Wein. Das gilt beispielsweise für das große Schweizerische Projekt .swiss.
Fokus auf die Community
Freilich ist bei .swiss die Ausgangslage eine völlig andere, hier steht der Bund selbst hinter dem Projekt. Ziel war es laut Thomas Schneider vom Bundesamt für Kommunikation, die Interessen der Schweizer Community zu wahren und eine Nutzung durch Dritte zu verhindern. Um Geld geht es eigentlich nicht, doch gibt es bereits einen namhaften Partner aus der Wirtschaft, der sich dem Projekt angeschlossen hat. Schneider zufolge gab es lange Gespräche mit der Fluglinie Swiss, die letztlich eine konkurrierende, eigene Bewerbung zurückgezogen hat.
Allerdings ist noch gar nicht genau klar, wer eine .swiss-Domain bekommen kann und zu welchen Bedingungen. Die Endung soll als Qualitätsdomain positioniert werden und wird wohl zumindest anfangs Privatnutzern nicht offenstehen. Etwas klarer ist die Situation bei .zuerich. Der hinter der Domain stehende Kanton denkt an ein Non-Profit-Modell und will die Endung exklusiv strategisch institutionellen Partnern wie 5-Sterne-Hotels oder größeren Gemeinden anbieten.
ICANN als potenzielle Bremse
Für Zürich eilt die Entscheidungsfindung aber nicht so sehr. Denn die ICANN bearbeitet die knapp 2.000 gTLD-Bewerbungen in der Reihenfolge eines Losentscheids und .zuerich kommt erst spät zum Zug. Für eine primär wirtschaftlich vorangetriebene Bewerbung wäre das noch nachteiliger, da hier jede Verzögerung weitere Kosten ohne Einnahmen bedeutet.
Dabei könnte es seitens der ICANN noch zu gewissen Problemen kommen, warnt nic.at. Denn es sei noch offen, wie genau das sogenannte „Trademark Clearing House” funktionieren soll, das Markeninhaber einen Schutz ihre Marke vor missbräuchlichen Domain-Registrierungen ermöglichen soll. Dabei ist dieses System eine wichtige Voraussetzung für den Start der neuen gTLDs. Branchenkenner hoffen, dass es spätestens beim nächsten ICANN-Meeting im April endlich Details gibt.

