Die Auswertung von 6.000 dieser Vorjahresbeben zeigte: Das große Thoku-Beben vom 11. März, das von einem Punkt 160 Kilometer vom AKW Fukushima ausging, ließ eine neue seismische Bruchlinie weit näher des Unglücksreaktors entstehen. „Da sich vor kurzem in Iwaki ein starkes Erdbeben ereignet hat, halten wir es für möglich, dass es auch direkt in Fukushima noch zu einem ähnlich starken Beben kommt”, erklärt der Geophysiker Dapeng Zhao von der Tohoku UniversitY.
Gefährliche Flüssigkeiten
Was die Forscher so beunruhigt: Laut den Auswertungen wurde das Iwaki-Beben von aufsteigenden Flüssigkeiten im Untergrund ausgelöst. Denn wo sich die pazifische Platte unter die Ochotsk-Platte, den Nordosten Japans, schiebt, lässt die hohe Temperatur und der Druck Wasser aus den aufschmelzenden Mineralien freikommen. Dieses dringt aufgrund seiner geringeren Dichte in höherliegende Schichten, wo es in Verwerfungen eindringt, die Reibung verringert und damit starke Erdbeben auslösen kann.
„Temperatur und die Anwesenheit von Fluiden sind wie Trigger, die Kettenreaktionen auslösen können”, betont auch Charlotte Krawczyk, Spezialistin für Seismik und Potenzialverfahren am Leibnitz-Institut für angewandte GeophysiK, im pressetext-Interview. Die Möglichkeit eines weiteren großen Bebens in der Region sei nach dem Vorjahresereignis weiter gegeben. „Obwohl der Druck zwischen Platten an einer Stelle abgenommen hat, bleibt das gesamte Spannungsfeld dennoch bestehen”, so die Expertin.
AKWs weiter in Gefahr
Der Appell der japanischen und chinesischen Forscher: Das im Vorjahr schwer geschädigte AKW Fukushima Daiichi brauche dringend bessere Schutzvorkehrungen, und auch andere AKWs der Region wie etwa Fukushima Daini, das etwas weiter nördlich gelegene Onagawa und im Süden Tokai sollten hinsichtlich der Sicherheit überprüft werden. Erst am Montag hat Japans Regierung beschlossen, der Fukushima-Betreiberfirma Tepco umgerechnet 6,7 Mrd. Euro zur Verfügung zu stellen. Als so hoch hatte Tepco den Fehlbetrag aufgrund der enormen Kosten für Entschädigungen, Aufräumarbeiten und Ersatzbrennstoffe angegeben.

