Filmtipp: Mary Shelley – Frankensteins Geburt

„Frankensteins Geburt” ist nur die Ergänzung des Titels, wohl damit auch jeder Kinofan in Ungarn Bescheid weiß, worum es im romantischen Familien- und Historiendrama geht, das am 4. April in Über 20 Kinos in Ungarn anläuft.

Die Vertriebsverantwortlichen versprechen sich sehr viel von diesem Film, wenn sie dieses Opus ungarnweit zeitgleich unters Publikum bringen: 120 Minuten, 2017 gedreht, 2018 international (beim Filmfestival in Kanada, präsentiert, eine englisch-luxemburgisch-amerikanische Produktion mit Elle Fanning in der Hauptrolle, als Mary Shelley und für die Regie verantworlich ist die erste weibliche saudirabische Regisseurin  Haifaa al-Mansou.

Die Kinobesucher werden ins frühe 19. Jahrhundert katapultiert. In London macht die blutjunge Mary Wollstonecraft Godwin die Buchhalung in der Buchhandlung ihres Vaters. Sie lebt unter jungen, unbändigen Literaten. Die stürmische Liebe zu Percy Bysshe Shelley, einem verheirateten 21-jährigen Poeten, nimmt ihren eigenwilligen, sich über alle Konventionen hinwegsetzenden Lauf: Mit Höhen und Tiefen, Einsamkeit Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, die sie zum Schreiben zwingen. So entsteht der später als erster Horrorroman der Literaturgeschichte apostrophierte Frankenstein. Mary, die gerade 18-jährige Schriftstellerin, überwindet die Dämonen ihrer Einsamkeit, kann sich des Ruhmes ihres Werkes aber nicht freuen. Anno 1812 erscheint „Frankenstein oder der moderne Prometheus” ohne Autorenangabe, dann als Werk ihres inzwischen geehelichten Percy Shelley. Als erster zager Schritt der Emanzipation der Frau darf wohl gewertet werden, dass Mary Shelley als Autorin anerkannt wird.

London, Frankreich, die Schweiz im frühen 19. Jahrhundert ist auch ein Sittenbild der Künstlerwelt dieser Zeit, mit Ausschweifen, Eigenwilligkeiten, Befreiung und freier Liebe, u.a. auch mit Byron in einer bunten, schillernden Gesellschaft.

120 Minuten sind viel für ein Historiendrama, zumindest anfangs, doch mit dem Geschehen wird der Zuschauer miteinbezogen, leidet mit den Akteuren mit.

Der Film in English läuft ungarisch untertitelt ab 4. April in zig Kinos in Budapest und ganz Ungarn an. Es lohnt, sich dafür zwei Stunden einzuplanen, schon der wunderbaren Elle Fanning zuliebe, die übrigens 2014 für ihre Hauptrolle in „Low Down” beim Festival von Karlovy Vary als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde.