Am Mittwoch, 18. Dezember 2013 wäre Willy Brandt 100 Jahre alt geworden. Fernsehstation phoenix beginnt die umfangreiche Berichterstattung bereits eine Woche vorher mit der Übertragung der Feierlichkeiten mit Bundespräsident Joachim Gauck in Lübeck und zeigt ausgewählte Dokumentationen.
„Wandel durch Annäherung“ war Willy Brandts wichtigstes Ziel und sein politisches Erbe. Unter Kanzler Brandt schloss die Bundesrepublik zahlreiche Völkerrechtsverträge mit der DDR. Brandts politische Karriere begann 1949 als SPD-Abgeordneter im ersten Deutschen Bundestag. Später setzte er sich vehement für die Entspannung der Ost-West-Beziehungen ein: ab 1957 als Regierender Bürgermeister von West-Berlin und neun Jahre darauf als Außenminister unter Georg Kiesinger.
Das Bild des Kniefalls von Warschau ging um die Welt. Mit der Geste leistete Brandt Abbitte für die von Deutschen verübten Gräuel, obwohl er selbst im anti-faschistischen Widerstand gegen die Hitler-Diktatur gekämpft hatte. Kurz nach der Machtergreifung 1933 war der als Herbert Frahm geborene Brandt mit falschem Namen ins norwegische Exil geflohen und hatte sich von dort aus im sozialistischen Untergrund engagiert.
Nach fünf Jahren im Amt brachte die Affäre um seinen engen Mitarbeiter Günter Guillaume Bundeskanzler Brandt zu Fall. Als bekannt wurde, dass Guillaume in Wirklichkeit ein ostdeutscher Spion war und Details aus dem Kanzleramt in die DDR übermittelt hatte, trat Brandt zurück. Bis zu seinem Tod 1992 war er jedoch eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Politik. Seine Äußerung zum Mauerfall – „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“ – ging in die Geschichtsbücher ein.
Der Kniefall des Kanzlers – Die zwei Leben des Willy Brandt
Film von Sebastian Dehnhardt – Warschau am 7. Dezember 1970: Willy Brandt kniet vor dem Ehrenmal, das an das Warschauer Ghetto erinnern soll. Ein Bild, das um die Welt geht und schnell zu einer Ikone wird. Eine symbolische Geste, für die der deutsche Kanzler international höchste Anerkennung erntet und mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Eine Geste, die in Deutschland polarisiert wie nie zuvor und die Gesellschaft in zwei Lager spaltet. Für seine Anhänger ist Willy Brandt ein Visionär, ein Hoffnungsträger für Frieden und Versöhnung – ein deutscher Kennedy. Seine Gegner diffamieren ihn als Vaterlandsverräter, überziehen ihn mit Schmutzkampagnen und machen dabei auch vor seiner Privatsphäre nicht halt.
Im Dezember 2010 jährte sich der welthistorische Kniefall von Warschau zum vierzigsten Mal. Aus diesem Anlass haben die Autoren Sebastian Dehnhardt und Manfred Oldenburg einen präzisen Blick hinter die Kulissen der Brandtschen Ostpolitik geworfen – und gleichzeitig auf den widersprüchlichen Charakter Willy Brandts. In den Fokus rücken sie die Persönlichkeit Brandts und dessen Kampf für Versöhnung und eine friedlichere Welt – gegen äußere und innere Widerstände.

Als Politiker ein Menschenfänger, der Millionen Menschen begeistert und für eine ganze Generation zur politischen Ikone wird, legt Willy Brandt privat ein völlig anderes Gesicht an den Tag: unberechenbar, introvertiert und depressiv. Der Mann, der sich nach außen jovial, charmant und witzig gibt, der nach den schönen und unbeschwerten Dingen im Leben giert, ist innerlich zerrissen. Doch woher rühren diese Selbstzweifel, seine Menschenscheue und seine Unfähigkeit, soziale Nähe herzustellen?
In „Der Kniefall des Kanzlers. Die zwei Leben des Willy Brandt” stellt Brandts problematische Kindheit und sein erstes Leben als Herbert Frahm in den Mittelpunkt einer Dokumentation. Der renommierte Psychoanalytiker Günter Seidler untersucht, wie Willy Brandts bewegte, vaterlose Kindheit und seine Flucht vor den Nazis ins norwegische Exil ihn als Politiker und Mensch in seinem zweiten Leben geprägt haben. Dabei entsteht ein Psychogramm, das Brandt in seiner ganzen Ambivalenz – von uneingeschränkter Jovialität bis zur absoluten Verschlossenheit – zeigt. Offen erzählt Peter Brandt vom privaten Willy Brandt und gewährt dabei tiefe Einblicke in das Familienleben und das zeitlebens kühle Verhältnis zu seinem Vater. Die Versöhnung, nach der Willy Brandt politisch strebte, rückte privat in immer weitere Ferne, gipfelte sogar in der faktischen Enterbung der Kinder in seinem Testament.
Erinnerungen an Willy Brandt
Widerstandskämpfer, Bundeskanzler, Ikone der Sozialdemokratie: Willy Brandt war einer der bedeutendsten Politiker der Bundesrepublik Deutschland. Für seine Ostpolitik der Aussöhnung und Entspannung erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis. Vor 100 Jahren, am 18. Dezember 1913, wurde er als Herbert Frahm in Lübeck geboren. Anlässlich des Jahrestages wird der Ausnahmepolitiker in seiner Heimatstadt und bundesweit mit einer Reihe von Veranstaltungen geehrt. Der NDR erinnert an den großen Mann der SPD
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands erfüllt sich für Brandt im hohen Alter ein politischer Lebenstraum.
http://www.ndr.de/geschichte/koepfe/willybrandt/willybrandt293.html

