Gerade erst wurde der erste Schritt zum ungarnweiten Käsenetz getan: In Szente im Palóczenland, d.h. im Komitat Nógrád, wurde der 1. ungarische Käsehof eröffnet.


Szente: ein 350-Seelen-Dorf in besagtem Komitat,70 kmnördlich von Budapest,20 kmvon der Kleinstadt Balassaggyarmat entfernt, liegt verschlafen inmitten der sanften Hügel des Mittleren Cserhát-Gebirges. Es ist ein Ort, wo sich die Füchse gute Nacht sagen. Mit dem funkelnagelneuen Käsehof der Familie Maszlik könnte sich Szente zum attraktiven Touristenziel mausern. Bislang konnte es nur auf sein Kirchlein aus der Árpádenzeit, aus dem 13. Jahrhundert, verweisen. Und wenn man schon in der Region ist, um wie alle Touristen das Palóczendorf Hollókő aufzusuchen, lohnt sich der Abstecher nach Szente (40 kmentfernt).

Vom Grashalm bis zum Endprodukt kann man auf dem Hof Zoltán Maszliks und seiner Familie die Entstehung von Milch, Joghurt, saurer und süßer Sahne, Frisch- und Hartkäse miterleben. Der Familienbetrieb wirtschaftet auf350 haLand, 110 Kühe und Kälber stehen auf der Weide und in den Ställen. Sie werden nur mit natürlichem Futter, Sonnenblumenkernen, Rapskleie, Mais gefüttert. Die 60-70 Millchkühe, die täglich gemolken werden, geben pro Tag 1500-2000 LiterMilch; der Großteil wird verarbeitet, zusätzlich wird keine Milch gekauft. Das war nicht immer so. Mit dem Aufbau seiner Hofwirtschaft begann Zoltán Maszlik 1991.

„Ein Weizenkorn macht noch kein Brot, eine Traube keinen Wein”, sagte Zoltán Maszlik anlässlich der Übergabe seines Käsehofes. Eingebettet in den Regionalverband mit 50 Mitgliedern in West-Nógrád und von der EU-Initiative LEADER (Liason Endtre Actions pour le Developpement de Economie Rurale) gefördert konnte Zoltán Maszlik seinen Familienbetrieb aufbauen. Er ist auch Mitglied des 2010 gegründeten Verbandes der Einzel- und mittelständischen Agrarunternehmen und Käsereien, eine Dienstleistungsvereinigung mit 60 Mitgliedern, die vor drei Jahren die Idee hatte, dem Vorbild der Weinstraßen folgend, ein Netz von Käsehöfen aufzubauen, für die Erzeugnisse auf Gastro-Festivals zu werben, den Erzeugern mit Rat und guten Ideen zur Seite zu stehen.

Entscheidend ist der regionale Charakter: verarbeitet werden nur eigene und regionale Lebensmittel, beliefert werden vorrangig Abnehmer in der Region. Zoltán Maszlik schwört auf den Direktverkauf (ab sofort im Käseladen auf dem neuen Käsehof) mit seinem Laden auf Rädern, der Kindergärten, Altenheime, Konditoreien, Rathausküchen in 13. Gemeinden und Budapest beliefert. Womit? Nicht vorrangig mit Milch (naturbelassen mit 2,8-4,2% Fettgehalt, der Liter für nur 200 Ft), sondern je nach Bestellung mit Frischkäse (natur, geräuchert, mit 4-5 unterschiedlichen Gewürzen), Joghurt (natur, mit Früchten), Weichkäse (Camembert), Hartkäse. Der zweite mobile Lieferladen wird gerade eingesetzt. Keinesfalls nebensächlich ist für den Landwirt und Unternehmer, ganz besonders für Szente, dass er Arbeitsplätze sichert, zurzeit zehn. Der einzige Arbeitgeber in Szente ist ansonsten die Gemeinde selbst und die kann nur öffentlich geförderte Arbeit anbieten. Das neue Gemeindehaus mit Bibliothek, Internetanschluss und Gemeinschaftsräumen funktioniert auch als Jugendherberge mit sieben 2-, 3- und Mehr-Bettzimmern, so dass auch der müde Wanderer sich in Szente ausruhen kann und nicht gleich weiterfahren muss. Ab 1. September werden auf dem Käsehof der Maszliks Gruppen erwartet.

„Ein Landstrich, ein Geschmack, ein Feeling” lautet das Motto, das die Besucher auf dem Käsehof begrüßt.
Der ersten Station auf dem Weg zu ungarischen Käsereien folgt schon Ende August der Käsehof von Etyek in der Region Völgy Vidék; geplant sind die Käsehöfe von Sümegprága im Balaton-Oberland, Monosbél im Bükk-Gebirge und Eger.
(Fotos: László Kulcsár)

