So nahe an Budapest gelegen, hat für die Cegléder eher Nach- denn Vorteile. Regional gehört die Stadt zum Komitat Pest und das bedeutet hinsichtlich der Fördermittel eher wenig, schließlich gehören Budapest und Pest zu den bestentwickelten Regionen Ungarns. Touristisch betrachtet hört man auch recht oft, dass sich Cegléd als Durchreisestadt missverstanden fühlt. Unterwegs aus Süd- oder Ostungarn will der Reisende möglichst bald Budapest erreichen, und umgekehrt, ist das Reiseziel z.B. Szolnok, Szeged oder das Ausland, fährt man durch Cegléd einfach durch.

Dort eine Verschnaufpause einzulegen, eventuell ein Wochenende oder auch mehr zu verbringen, könnte sich trotzdem lohnen. Davon sind nicht nur die Cegléder Lokalpatrioten überzeugt, und das ganz besonders 2014, wenn die Stadt ihren 650. Geburtstag feiert.
Cegléd, Stadt der Geschichte und Kultur. König Ludwig der Große verlieh Cegléd anno 1364 den Stadtrang und stattete diese mit dem Privileg, keine Steuern und Zölle entrichten zu müssen aus. Allerdings wird Cegléd schon 1290 erstmals urkundlich erwähnt. Wie archäologische Funde belegen, war diese Region schon vor 4000 Jahren besiedelt.

Seit 1964 wird der Geburtstag der Stadt am 8. Mai gefeiert. (Cegléd-Geburtstag mit Volksfest in diesem Jahr am langen Wochenende 2., 3., 4. Mai). Es wird nicht nur das Stadtfest gefeiert. Im Kossuth Museum wird die Ausstellung über das Cegléder Mittelalter, d.h. die Árpádenzeit eröffnet. Geplant ist auch die Veröffentlichung des Bandes „Cegléder Bilderbuch”. Besagtes Museum trägt den Namen des Revolutionsführers von 1848 Lajos Kossuth, der am 24. September1848 in Cegléd seine flammende, zum Kampf auffordernde Werbungsrede hielt.
Für die Ungarn ist Cegléd vorrangig die Kossuth-Stadt. Außer dem Kossuth Museum erwartet in Cegléd, als einziges in Ungarn, auch das Trommelmuseum die neugierigen Besucher. Ja, Trommeln, Schlagzeug, die der ganze Stolz eines privaten Sammlers sind. (mehr dazu: 20. Drummer- und Schlagzeuger-Gala am 10. Mai). Musik hat in Cegléd auch in anderen Sparten Tradition. Sie wird in der Musikschule, von einem Blasorchester, drei Chören und zahlreichen Musikfestivals gepflegt.
Cegléd, Stadt des Sports und Wohlfühlens. Für dieses Segment sind das Cegléder Kur- und Strandbad sowie der Aquapark zuständig. Am Stadtrand gelegen ist das Thermalbad von Budapest aus mit dem Zug in nur 53 Minuten erreichbar, und der Zug hält genau davor. Seit 2003 bietet es das ganze Jahr über Kuranwendungen, Erholung und angenehmen Zeitvertreib: im Sitzbecken, Erlebnisbassin, Plantschbecken für Kinder, im Sommer auch im 33-m-Schwimmbad.

Das 54 C Grad heiße Wasser enthält Natriumchlorid, Wasserstoffkarbonat und Jod und wird dank dieser Komponenz sowohl bei Rheuma, Beschwerden des Bewegungsapparates, Entzündungen, als auch bei Magen-Darmleiden als Trink- und Badekur empfohlen. Als Wellness sei an dieser Stelle das ’Nacht-Baden’ in romantischer Atmosphäre erwähnt.
Übrigens: das Thermalwasser wird in den anliegenden Kühlsee geleitet, der Teil des Abenteuerparks ist, wo sich die Mutigen an einem Seil über den See schwingen können, Stichwort Canopy. Das Aqua Centrum, einer mittelalterlichen Burg nachempfunden, garantiert mit 17 Rutschen nicht einfach Spaß, sondern in der ’Pendelrutsche’, eine der fünf Extremrutschen in Ungarn, höchste Adrenalinausschüttung.
Was die Besucher betrifft, kommen sie überwiegend aus der Region, 30-35 Prozent sind Ausländer, Holländer und Deutsche.
Cegléd, Stadt des Weins und des Gastronomie. Die Reblaus, die Ende des 19. Jahrhunderts in den ungarischen Weinbergen wütete, konnte den Weingärten auf den lockeren Löss- und Sandböden der Alföld-Region nichts antun. Leider sind die leichten, spritzigen Weißweine der Region noch immer nicht so berühmt wie die Weiß- und Rotweine etwa vom Balaton, aus Szekszárd oder Eger. Ein leckeres Cegléder ’Gulyás’, natürllich Gulasch und im Kessel über offenem Feuer zubereitet, sollte unbedingt mit einem trockenen Riesling, dem fruchtigeren Cserszegi Füszeres, einer Rebsorte, die sich wegen des sperrigen Namens im Ausland einfach als ’Ungarischer Weißwein’ durchsetzte, begossen werden.

Zu den Spezialitäten der Cegléder Küche gehört auch ’laska’, das sogar von Ungarn oft mit dem gleichnamigen Speisepilz verwechselt wird. Laska ist eine Teigware, deren ausgerollter Teig zerkleinert und gezupft als Suppeneinlage, Beilage, Mohn- oder Quark-Laska köstlich mundet. (Gleichnamiger Pilz, laskagomba ist der Seitling, meistens Kräuterseitling.) Wein und Laska sind in Cegléd ein Festival gewidmet, das in diesem Jahr am 2o., 21. und 22. Juni stattfindet.
Eine für meinen Geschmack eher gewöhnungsbedürftige kulinarische Spezialität stammt ebenfalls aus der Cegléder Koch- und Backstube, die sog. Mönchsohren: der salzig-deftige Griebenteig wird mit Pflaumenmuß gefüllt.
Guten Appetit!

