Hier, in der 1900-Seelen-Gemeinde Visegrád wurde anno ungarische Geschrichte geschrieben. 1335 lud König Karl Robert den polnischen und böhmischen König zu einem ’Gipfel’-Treffen ein, das die politische und ökonomische Entwicklung in Mittel-Osteuropa langfristig bestimmen sollte. An dieses historische Treffen knüpfte 1991 das Treffen der Spitzenpolitiker Polens, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarns: die Zusammenarbeit der V4, der Visegrád-4-Gruppe, war aus der Taufe gehoben.

Unabhängig davon werden schon seit 1984, immer an einem Wochenende im Juli, die Palast-Burgspiele veranstaltet: mit Ritterturnier, Fackelumzug, mitelalterlichem Jahrmarkt, Konzerten, kulinarischen Köstlichkeiten, wie sie zur Zeit der Könige serviert wurden und Weinverkostung. Verantwortlich für das historische Programm ist der Sankt Georgs-Ritterorden, der die Tradition des 1326 ersten königlich gegründeten Ritterordens fortsetzt, pflegt. Zeremonienmeister ist der Kanzler des Ordens László Cseke, der jahrein, jahraus den Spagat zwischen neu und traditionell meistern muss. Er fühlt sich der Tradition, den Wurzeln verpflichtet, weist auf die 400 Mitglieder in den Prioraten in den Komitaten und vielen anderen Ländern, so in Deutschland, den Benelux-Staaten, Skandinavien und auch die Mitgliedschaft im Internationalen Verband der Historischen Spiele mit Sitz in Brüssel hin. (Im Oktober dieses Jahres tagt der Verband in Visegrád.) Zum Programm des bevorstehenden Wochenendes, der Burgspiele Visegrád siehe www.palotajatekok.hu in Ungarisch und Englisch (Tja. leider, leider steht neben dem diesjährigen detaillierten Programm in Ungarisch und Englisch auch eine deutsche Version, allerdings von den Burgspielen 2010.)

PS: Ungarische Geschichte kann man in Visegrád das ganze Jahr über erleben, sich unter der Leitung der Mitglieder von Sankt Georg in mittelalterlichen Tugenden, etwa Armbrustschießen, üben oder so zu tafeln, wie es anno die Könige mochten: im Restaurant Renaissance; als Vorspeise z.B. Geflügelleber-Terrine mit einem Schuss Riesling und Gemüsemousse; der Suppe, eigentlich ein Rehragout mit Estragon-Sahne, die absolut sättigt, könnte das Hirschfilet Visegrád in Rotwein-Früchtesoße folgen. Desserts gibt es natürlich auch und auch die Vegetarier werden nicht hungrig bleiben.

