Nur 1937 (Vigadó/Redoute in Budapest) war eine bescheidene Ausstellung bzw. in den 60er Jahren Kopien  in einer Ausstellung dem heimischen Publikum zugänglich gewesen. Kertész’ Namen kennt jeder Freund der Photographie und nennt ihn im selben Atemzug mit den ebenfalls aus Ungarn in die weite Welt gewanderten Künstlern wie Robert Capa, Brassai, Márton Munkácsy und László Moholy Nagy. Schon 1912 begann er in Budapest zu photographieren und tat dieses auch neben seinem Brotberuf als Buchhalter, bis er 1925 nach Paris emigrierte, sich dort in die ’ungarische Kolonie’ am Montparnasse nahtlos eingliederte und schon zwei Jahre später ausstellen konnte. Nach Ausstellungserfolgen 1929 und der aufregenden Serie Distortions (Zerrbilder) 1933 arbeitete André Kertész für die bekanntesten Illustrierten Frankreichs und setzte die Auftragsphotographie (für Harper’s Bazaar, Vogue u.a.) auch nach1936 inden USA fort. 1944 erhielt André Kertész die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Kertész’ Aufnahmen wurden in Ausstellungen von Tokio bis Stockholm, von London bis Paris gefeiert.

Diese späte Retrospektive in Ungarn machte die Zusammenarbeit mit dem französischen Museum Jeu de Paume möglich, wo sie 2010 eröffnet wurde, dann in Winterthur in der Schweiz und bis kürzlich im Martin Gropius-Bau in Berlin zu sehen war. Auf 1000 qm im zweiten Stock des Ungarischen Nationalmuseums, in den József nádor-Sälen, kann sie ab 30. September und bis zum 31. Dezember besichtigt werden.

Um das Oeuvre des dieses Meisters der Photographie der Moderne profund zu erfassen, findet schon am ersten Ausstellungstag (30. September) eine internationale wissenschaftliche Konferenz in Ungarisch mit englischer Synchronübersetzung statt (Programm unter www.andrekertesz.hu), zeitgleich wird die Kammerausstellung „Kertész-Bilder. Kertész und Ungarn” eröffnet und bis Ende Dezember zu Filmaufführungen und Vorträgen eingeladen.

 

Retrospektive André Kertész

Ungarisches Nationalmuseum

30. September – 31. Dezember 2011