Der Schein trügt: die Veranstalter rühren für die A38 als Mehrzweck-Kulturkomplex die Werbetrommel. Seit November 2010 ist das Schiff nun auch noch gewachsen: der aus EU-Fördermitteln und solchen aus dem ungarischen Fonds „Entwicklungsplan Neues Ungarn” schwimmende Anbau dient als Ausstellungs- und Veranstaltungssaal von Konferenzen und Lesungen und vielem sonstigem mehr.
Das aktuelle Beispiel dafür ist „Literature in Flux – via Danube”, die im September im bulgarischen Ruse gestartete literarische Reise, die am19. Oktober in Budapest ankommt. Die MS Stadt Wien legte seither in Cetate, Rumänien, Belgrad und Novi Sad, Serbien, Vukovar, Kroatien an. Leider kann die MS Stadt Wien nicht an der A38 anlegen, obzwar das Veranstaltungsschiff schon bald als Anlegestelle am Budapester Donauabschnitt zugelassen wird, so dass die Treffen und Lesungen hüben und drüben, zwischen der Freiheits- und Petőfi-Brücke auf der MS Stadt Wien und eben im Veranstaltungssaal der A38 stattfinden. HALMI (griechisch Sprung), das europäische Netzwerk europäischer Literaturhäuser mit bislang 26 Mitgliedern und die ungarische Ausgabe von Lettre Internationale sind die Gastgeber in Budapest. Es wird aus den Übertragungen zeitgenössischer Literatur ins Ungarische gelesen und anwesend sind auch die Autoren, so am Donnerstag, den 20. Oktober mit Johan de Boose, Belgien, Michal Hvorecky, Slowakei, Natasha Kramberger, Slowenien und Thomas Stangl, Österreich. Am 21. Oktober wird ’Reading night’ von den Schriftstellern Filip Florian, Rumänien, Nicol Ljubic, Deutschland/Kroatien, Ildikó Lovas, Serbien/Ungarn, Peggy Mädler, Deutschland, Vladan Matijevic, Serbien, Péter Rácz und Gábor Schein, Ungarn, bestritten. Zur Literatur-Station in Budapest gehört auch die Ausstellung Moje Menhardts und die Diskussionsrunde „Freedon of speech in European publishing”. Wie dieser und der Reisetitel „Literature in Flux” suggerieren, findet das literarische Happening zweisprachig, ungarische und englisch statt. Eintritt frei! Die MS Stadt Wien legt anschließend in Bratislava an und Wien ist Endstation. (In der Alten Schmiede lesen u.a. Mircea Cártárescu, Ilja Trojanow und Richard Wagner. Literaturfreunde sollten sich die Programme von Literatur im Herbst am 28/29/30. Oktober nicht entgehen lassen. www.alte-schmiede.at)
Doch zurück zur A38! Was das musikalische Angebot betrifft, orientieren sich die Verantwortlichen thematisch, bieten z.B. eine Musikserie mit elektronischer Musik an, erklärten 2011 zum Jahr der französischen Musik, die im Januar 2012 mit dem Auftritt Jane Birkins mit Chansons von Serge Gainsbourg abgeschlossen wird. 2012 wird die Musik Skandinaviens in den Fokus gerückt.
Neu auf der A38 ist übrigens die von Telekom gesponserte Sommerterrasse, wo der Gast bei Schönwetter und etwas höheren Temperaturen sowie einer Tasse Kaffee eine Verschnaufpause in der Hektik des Alltags einlegen sollte. Jetzt, Mitte Oktober sei er allerdings auf das nächste Frühjahr vertröstet.
Jetzt begebe er sich dafür ins noch immer nobel-elegante Restaurant mit Blick über Donau und Pest bzw. Buda, wo ein neues Team am Werk ist, dem vom Diplomaten im Dienste des Außenministeriums zum Restaurantdirektor verwandelte Márton Zeibig, ihm zur Seite der Spitzenkoch István Halász. Sie ’komponieren’ Speisenfolgen zu Weinen einer bestimmten Region und empfehlen Weine z.B. jetzt zu typischen Herbstspezialitäten, etwa aus Kürbis. Dafür liegt die neu designte Speisekarte vor.
Neu, bzw. auf den jüngsten Stand gebracht wird gerade auch das technologisch-technische Rüstwerk des Schiffes. Das Schiffsarchiv verfügt über 650 TV-Musikmitschnitte. Ab November wird in HD gearbeitet, 200 Aufnahmen jährlich sind geplant, und das sollen nicht mehr nur Konzertaufnahmen sein; Ausstellungen, Kinderprogramme u.a. sollen verewigt und genutzt werden.
Zurzeit wird an der neuen Homepage gearbeitet. Die alte ist www.a38.hu
(Über A38 siehe auch den Beitrag „A38, eine kulturelle Erfolgsstory” vom 2. September 2009.)

