Offenheit aus Tradition
Maßgeblich vorangetrieben wird der soziale Wiederaufbau in Island vom Präsident des Landes, Olafur Ragnar Grimsson. „Island ist eine Gesellschaft, die auf dem Prinzip fußt, dass jeder ein Freund ist, bis das Gegenteil bewiesen ist”, so der Spitzenpolitiker. Dieses Prinzip lässt sich hervorragend mithilfe von Social Media in die Tat umsetzen. Neben Twitter- und Facebook-Accounts verfügt Island über einen . Außerdem wurden die rund 300.000 Isländer in einer Kampagne dazu aufgerufen, sich mit Touristen in Verbindung zu setzen und ihnen das Land zu zeigen.
„In der isländischen Bevölkerung gibt es seit jeher eine große Begeisterung für Technik und Internet. Das kommt solchen Vorgehensweisen entgegen”, so Frei. Auch der Präsident beteiligte sich und lud Besucher zu sich nach Hause ein. Im politischen Entscheidungsprozess spielten die sozialen Medien nach dem Crash ebenfalls eine verstärkte Rolle. Als die verfassungsgebende Versammlung 2011 zusammentrat, um ein neues Grundgesetz zu formulieren, wurde der Entwurf kurzerhand ins Netz gestellt, um der Bevölkerung zu ermöglichen, Kritik und Änderungswünsche zu formulieren.
Direkte Demokratie
„Island ist eine traditionell offene Gesellschaft und sehr stolz auf seine demokratischen Strukturen. Offenheit, Zusammenhalt und Vertrauen sind wichtige Grundprinzipien in dem Land, in dem beinahe jeder jeden kennt”, erklärt Frei. Die geringe Größe des Landes ist jedoch nicht der einzige Grund, weshalb die offene Demokratie so gut funktioniert.
„Wir haben schnell gemerkt, dass die Krise nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial, rechtlich und politisch war. Deshalb haben wir einen anderen demokratischen Ansatz versucht. Unsere Ansätze können auch größeren Ländern als Vorbild dienen. In jeder Gesellschaft gibt es kleinere Sub-Gesellschaften, die nach unserem Vorbild verwaltet werden können”, so Grimsson.
In der Bevölkerung kommt das neue Mitbestimmungsrecht gut an. Immer wieder bilden sich spontan Gruppierungen, die sich für ihre Anliegen einsetzen. Als Präsident Grimsson verlautbarte, nicht mehr zur Wiederwahl antreten zu wollen, formierte sich spontan Protest im Netz. Grimsson ließ sich überreden, erneut zur Verfügung zu stehen. „Dank Internet und Handys können wir heute in Stunden erledigen, was früher Monate gedauert hätte”, so Grimsson. Wer Interesse an einer Tour mit Einheimischen hat, findet unter http://www.inspiredbyiceland.com entsprechende Möglichkeiten.

