Tihany.Auf der malerischen Halbinsel Tihany lohnt es sich schon wegen der Aussicht auf den Binnensee, der mit dem Balaton so gar nichts gemein hat, Eintrittskarten für die abendliche Aufführung zu ergattern. Ergattern, denn die 600 Sitzplätze sind immer im Handumdrehen vergriffen, meistens müssen Extrastühle aufgestellt werden oder die Besucher setzen sich einfach auf die Treppen, fühlen sie wie in einem Amphitheater und lassen vor und nach der Aufführung den Blick über die liebliche Landschaft und den schon genannten Binnensee (Baden verboten, Kahnfahren okay) schweifen. Der Spielplan vom 6. Juli bis 25. August bietet für jeden Gusto das Richtige. Am 6. Juli wird Ungarn-Premiere gefeiert, mit einem leichtbekömmlichen Stück, einer Komödie  mit viel Musik nach einer literarischen sowie kinematographischen Vorlage, der „Ritterlichen Angelegenheit” nach Sándor Hunyadi mit Starbesetzung (Imre Bajor, Lenke Lorán, Regie István Verebes) die vor allem des Ungarischen kundige ’ältere Semester’, hoffentlich aber auch junge Besucher genießen werden. Es geht um ein immer aktuelles Thema, die Angst, seine Stelle zu verlieren.

Man muss natürlich nicht immer des Ungarischen mächtig sein, will man in Tihany z.B. nach Besuch des Lavendelhauses den Abend im nach dem vor drei Jahren verstorbenen allseits beliebten und gefeierten Schauspieler István Bujtor benannten und von dessen Witwe Judit Bujtor weitergeführten Freilichttheater verbringen. Mein ganz persönlicher Tipp: das Konzert mit der hoch im Kurs befindlichen, auf der Nostalgiewelle mitschwimmenden Band Budapest Bar am 13. Juli oder die Konzerte mit dem Orchester Csík Zenekar am 17. August oder aber mit Magna cum Laude am 24. August.

In Balatonfüred, der Hauptstadt des Nordufers sollten Kunstfreunde die noch bis Ende Juli am ehemaligen Wohnsitz des Malers János Vaszary, in der Vaszary Villa befindliche Ausstellung über Badekultur in der k.u.k.-Monarchie aufsuchen. Balatonfüred und Opatija bekunden mit dieser Ausstellung ihre Freundschaft und Gemeinsamkeiten in der Bade- und Bäderkultur. Die Verbindung zwischen Balatonfüred und Herend im Balaton Oberland wird in der Ausstellung: Die Geschichte eines Hungarikums: Die Herender Porzellanmanufaktur, ebenfalls in der Vaszary Villa vertieft. Einen Abend am Balaton sollte man sich für den Besuch eines Weinkellers reservieren; zur Weinprobe wird auch dort Kultur serviert. Eine solche Adresse ist die Jásdi Weinterrasse in den Hügeln von Csopak. Zu den lieblichen, frischen Weißweinen (immer öfter auch Rotweinen), untermauert mit einem deftigen Bauernteller erfährt man z.B., dass der Weinkeller seit 1851 besteht, der Veszprémer Bischof Ranolder hier seine Weine wachsen und reifen ließ oder dass der bekannte Winzer  Dr. Károly Bakonyi 1921 im Nachbarhaus das Licht der Welt erblickte. Seine berühmten Veredelungen und neuen Sorten gelangen ihm allerdings erst in den Weinbergen der Region Zala, so auch der liebliche, frische Weißwein mit dem unaussprechlichen Namen Cserszegi Fűszeres.

Hévíz.Anno hieß es oft, die Saison am Balaton dauere gerade mal zwei Monate lang, von irgendwann im Juni bis um den 20. August, denn dann käme unweigerlich ein Wetterumsturz und damit der Herbst. Nicht erst seit gestern kann man am Balaton  nicht nur baden, was schon die bisherigen Zeilen belegen. Rund um den See gibt es Abenteuerparks, viele Kilometer Radfahrwege, den Nationalpark entlang des Nordufers des Sees mit zahlreichen Ausflugszielen, erfrischende Fahrten mit Promenadenschiffen auf dem Balaton, so etwa der kunstvoll renovierten ’Csongor’, Baujahr 1927 und die nur einen Katzensprung entfernten Heilbäder Hévíz, Zalakaros und Marcali. Dass das viele Touristen wissen, belegt die Statistik: seit 2005 ist die Besucherzahl um 40 % gestiegen, ungarische und ausländische Gäste inbegriffen. Dass das noch besser und die Feriensaison noch länger werde, darum bemühen sich auch die Mitarbeiter der Balaton-Direktion des Ungarischen Tourismusamtes.