Fachleute, d.h. Doktoren und Professoren sowie Prominenz aus Kultur und Showbiz, die sich für den guten Zweck zur Verfügung stellen, wissen das. Und alle anderen Ungarn? Die Zahlen sind erschreckend: 51% der Ungarn sterben an einer Herz-Kreislaufkrankheit, in Europa sind es ’nur’ 30%. Unter den unter 60-jähringen Ungarn sind diese Krankheiten zwei- bis dreimal häufiger als in Europa.

Warum wohl? Mangelt es an Wissen? Sind die Ungarn zu sehr in ihren nicht eben gesundheitsförderlichen Traditionen verwurzelt? Wo werden Kenntnisse über gesünder leben vermittelt? In der Schule nicht, ein solcher Lehrstoff fehlt. Was bringen Kinder und Jugend aus der Familie mit, das sie zu Spitzenreitern in puncto Kranheiten, vorzeitiges Sterben in Europa machen? Es scheint an allem zu mangeln, sogar an Kultur, denn der Raucher bläst seinem zufälligen Nachbarn, der gerade vorbeieilenden Nichtraucherin den Rauch ins Gesicht. Achtlos. Auf der Straße wird natürlich geraucht, Männer und Frauen gleichermaßen. Kleine Schritte in Richtung kultivierteres Zusammenleben gibt es natürlich. So herrscht seit Jahresanfang Rauchverbot an Bus- und Straßenbahnhaltestellen.

Die Ungarische Kardiologengesellschaft setzt ihre Kampagne für gesundheitsbewusste Erziehung fort und startete das Herzton-Programm; darin macht sie auf die Bedeutung der Prävention von Herz- und Kreislaufkrankheiten, den richtigen Umgang mit Risikofaktoren aufmerksam. Zu den einleitend aufgezählten Zahlen seien an dieser Stelle noch einige weitere besorgniserregende aufgezählt: 2,5 Millionen Ungarn leiden an Bluthochdruck, eine Million an Diabetes, 50 % der Ungarn haben Übergewicht. Am europäischen Durchschnitt gemessen rauchen die Ungarn mehr, trinken mehr alkoholische Getränke, essen viel weniger Gemüse und Obst und bewegen sich zu wenig. Die ungarische Bevölkerung von knapp 10 Millionen schrumpft.

Für ein gesundes Leben werben nun bekannte Gesichter, die selbst krank waren, bzw. mit der Krankheit bewusst umgehen und mit ihrer Vita  (hoffentlich) überzeugender sind, als die Doktoren und Professoren Kardiologen.
Das Gesicht der Kampagne ist der Sänger und Intertainer Tamás Hevesi, der seine Diabetes I im Griff hat und ein ganz normales Leben lebt, auch wenn er sich täglich Insulin spritzt. „Jeder ist sein eigener Doktor”, betonte er und forderte seine Künstlerkollegen auf zu berichten, wie sie leben, nach dem Herzinfarkt, wegen Herzrhythmusstörungen, wie sie den negativen Stress ausgleichen; die Schauspielerin Nikolett Gallusz tut es mit Yoga, Pilates, viel Obst und Gemüse; der Schauspieler Armand Kautzky mit Prävention und bewusstem leben.
Der innere Schweinehund muss überwunden werden. Mit guten Vorsätzen sollte man nicht nur ins neue Jahr starten und sie dann…..ich mag es gar nicht zu Papier bringen.

1) Hör auf zu rauchen! Nach einem Jahr ist das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung um 50 % gesunken.

2) Beweg dich regelmäßig! Fünfmal in der Woche mindestens je 30 Minuten lang. Der Blutdruck sinkt, das Herz klopft leichter, erleichtert!

3) Ernähre dich gesund: fünfmal täglich frisches Obst und Gemüse (auch für einen gesundheitsbewussten Erdenbürger schwierig). Salze weniger.

4) Nimm nicht zu bzw. nimm langsam ab (BMX unter 25).

Die Rolle des Arztes dabei ist, wie es Doktor Róbert Gábor Kiss, der nächste Präsident der Ungarischen Kardiologengesellschaft ausdrückte, nicht auf Patienten zu warten, bis sie in seiner Ordination erscheinen, sondern die potentiellen Patienten ansprechen, damit sie keine Patienten werden. So auch mit der Herzton-Kampagne. Und Professor Béla Merkely, der turnusmäßige Präsident, brachte es so auf den Punkt: 

Die Gesundheitsbehörden sind nicht für unsere Gesundheit verantwortlich, das sind wir selbst, was nicht bedeutet, dass Staat, Regierung, Gesundheitsinstitutionen nicht Aufgaben haben.