Neben gefährlichen Kippelementen gibt es auch Anzeichen, dass sich einzelne Faktoren entschärfen, erklärt die Umweltforscherin Diana Liverman von der University of Arizona: „Der Bevölkerungszuwachs wird langsamer und bald abflachen, die Intensität von Energie und Kohlenstoff pro Produktionseinheit geht zurück, die landwirtschaftliche Intensivierung verlangsamt sich und die Wälder dehnen sich in einigen Regionen wieder aus.” Eine Entwarnung sei dies nicht, explodiert doch in den Schwellenländern der Ressourcenverbrauch – in Industrieländern ist er längst extrem hoch.
Erdzeitalter des Menschen
Insgesamt ist der Einfluss des Menschen so stark, dass Geologen bereits die Einführung von „Anthropozän” als Epochenbezeichnung diskutieren. Länder mit den höchsten Einkommen verursachen dabei laut einer englischen Studie dreimal so viele Emissionen wie jene mit den niedrigsten. „China, Indien, Europa und östliches Nordamerika weisen am Beginn des 21. Jahrhunderts hohe Emissionen auf, Lateinamerika und Afrika noch sehr wenige. Im Zusammenspiel der historischen und aktuellen Pro-Kopf-Emissionen ist das Kernstück über die Verantwortung im Klimawandel zu sehen”, betont Liverman.
Wissenschaft aufwerten
Die Gesellschaft muss der Wissenschaft mehr Gehör schenken, um die Probleme des Planeten in den Griff zu bekommen, fordert Larigauderie gegenüber pressetext. „Es fehlt an Strukturen, um die Forschung integrativer zu gestalten, mit den Akteuren zu vernetzen und in Gesetzgebungen einzubinden”, betont die Expertin. Das aktuelle Londoner Treffen von knapp 3.000 Experten versucht dies modellhaft – Klimaforscher, Sozialwissenschafter, Biochemie- und Wasserexperten sowie Biologen sind vertreten, jedoch auch Entscheider aus Wirtschaft und Politik.
Das Treffen soll auch Lösungsvorschläge für die im Juni stattfindende UN-Konferenz Rio+20 liefern. Die Erwartungen der Diversitas-Direktorin dafür sind gedämpft. „In der Wissenschaftsgemeinde ist Frust spürbar, Themen wie Biodiversität sind in den offiziellen Dokumenten für Rio+20 teils nur in einem Nebensatz erwähnt. Hoffnung vieler ist bloß, dass das Umweltprogramm UNEP künftig mehr Kompetenzen und Finanzierung erhält und das Bewusstsein geschärft wird. Denn immer mehr zeigt sich, dass die Änderung des Verhaltens Schlüsselelement für die Zukunft ist.”

