Natürlich suchen nicht nur Touristen diese Kulturstätten auf. Schulklassen verlegen oft Unterrichtsstunden ins Museum, die Museumspädagogik hat Konkjunktur. Lehrern, Eltern ist aber bekannt – und das ist statistisch erwiesen –, dass, geht der Heranwachsende nicht mehr mit seiner Schulklasse ins Museum, er es viele Jahre nicht mehr tun wird. Erst irgendwann, in reiferen Jahren entdeckt Mann/Frau-Bildungsbürger auch das Museum wieder.

Esztergom (Bild: http://www.european-quartet.com)

Schon zum zehnten Mal werden die möglichen Besucher auf die vielseitigen Programme an grauen, verregneten Herbsttagen aufmerksam gemacht. Themen wie „Abschied vom Herbst im Museum”, „Vom Keller bis zum Dachboden”, „Nacht der Pädagogen”, „16+” und „Brauchtum an Sankt Martin” (mit Heurigen-Weihe und Gänseschmaus im Freilichtmuseum Szentendre am Wochenende 7.-8. November) stehen auch in diesem Jahr auf dem Programm mehrerer Museen.

Verführerisch vielseitig ist das Angebot in der66 kmvon Budapest entfernt, am Donauknie gelegenen Mittelstadt Esztergom. Esztergom, die Krönungsstätte der ungarischen Könige, ist, so Bürgermeisterin Etelka Romanek, ein verborgener Winkel, budpestnah, der einen vornehmeren Platz auf der touristischen und musealen Karte Ungarns verdienen sollte.

Tja, Touristen haben ein Faible für Großstädte und scheinen die kleinen, aber feinen Ziele in deren Umgebung oft zu übersehen. Aus Zeitmangel? Weil in z.B. sechs Tagen ganz Europa abgearbeitet werden muss, wie das schmunzelnd über japanische Touristen behauptet wird? Esztergom mit 28 000 Einwohnern ist auf seine sechs Museen sehr stolz, drei davon machen beim diesjährigen Herbstfestival mit: das Christliche Museum mit bildender Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart; die Domschatzkammer mit prunkvollen Messgewändern, Kelchen und Kruzifixen in der Kathedrale zu Esztergom, dem Sitz des Kardinal-Primas der katholischen Kirche Ungarns. Das Gotteshaus thront auf dem Hügel am Donauufer, von wo aus man den Blick bis weit ins Land und bis auf das gegenüberliegende Ufer in die Slowakei schweifen lassen kann (ein besonderes Erlebnis wird das aus dem Panorama-Saal, wohin man allerdings 137 Stufen die Wendeltreppe hinauf und dann auch wieder herunter laufen muss.

In der Kathedrale, dem größten sakralen Bauwerk Ungarns, und einem der größten in Europa, befindet sich aus vortürkischer Zeit die aus rotem Marmor gebaute Renaissance-Kapelle Tamás Bakócz’ (1442-1521), des einzigen ungarischen Kirchenfürsten, der bei einer Papstwahl, nämlich  1513 als Anwärter auf den Stuhl Petri in Frage kam. (Er unterlag einem Medici, der als Leo X. in die Geschichte einging.) Unter den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Kathedrale sei noch eine herausgegriffen:  das Altargemälde ist das weltweit einzige, das auf eine einzige, entsprechend riesengroße Leinwand gemalt wurde. Dieses Gotteshaus wird jährlich von 300 000 Besuchern aufgesucht, ebenfalls jährlich finden 20-22 Konzerte statt.

Drittes im Bunde der Esztergomer Museen, die sich am Herbstfestilval beteiligen, ist das Donau Museum, das den Anforderungen eines modernen Museums voll und ganz gerecht wird, so gut wie alles in Interaktion mit dem Besucher tritt, alles ausprobiert und gehändelt werden kann.

PS: am Nationalfeiertag, dem 23. Oktober, dem Jahrestag der Revolution von 1956, gilt in ungarischen Museen: Eintritt frei!