Ja, die Kultur hat es an sich. Sie muss für jeden erschwinglich sein (Eintritt frei!) und soll jeden ansprechen. Das wird mit der Vielfalt an Programmen erreicht: Oldies für Nostalgiker und ältere, aber jung gebliebene Semester, z.B. der Auftritt des Ohrwurm-Barden Ferenc Demjén (19. August), ganz up to date die von der Jugend favorisierte  Band Anna and the Barbies (21. August); die Rockband Republic wird von den Szolnoker Symphonikern begleitet, die gerade ihren 50. Geburtstag feiern (18. August).Wie Kultur mit Natur verflochten wird,  verdeutlicht die Einladung an 100 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren aus Martfűs Partnerstädten in Polen, Rumänien, der Slowakei, Serbien und Frankreich, die mit der Gastgeber-Jugendgruppe sich vom 18. bis 23. August in Öko-Kultur, nachhaltige Entwicklung, vertiefen werden.

Am romantischen Theißufer.

Gefördert von der EU findet das  thematische Jugendcamp zum zweitenmal statt. „Meet You in Martfű II” lautet die Aufforderung.

Der Sankt-Stephans-Tag, der 20. August, wird in Martfű als Stadtfest begangen, u.a. mit der Ehrung verdienter Bürger dieser Stadt. Den Preis der Stadt Martfű erhält in diesem Jahr (noch ist es nicht publik) der Holländer Frits Niessen, ein Mann, der seit über 30 Jahren für Ungarn und nun schon seit mehreren Jahren für Martfű als Reiseziel wirbt. Das Ehepaar Niessen entdeckte Ungarn anlässlich Ungarischer Tage in Endhoven  (besonders leckere, würzige ungarische Küche!) für sich und wollte dann auch das Original kennenlernen. Daraus wurde ein touristisches Arbeitsverhältnis, das jetzt Martfű zugute kommt. (Die Niessens leben mit festem Wohnsitz in Martfű.) Siehe Photo: das Ehepaar Niessen.

Ehepaar Niessen.

Das diesjährige Festival beginnt am 14. August mit der Eröffnung  des Ausstellung des Martfűer MalersLászló Antalim Kulturhaus. Das seit genau 30 Jahren in Martfű Bier gebraut wird (zurzeit Heineken in der Heineken Hungaria Brauerei) ist der edle Gerstensaft Festivalthema. Und ebenfalls neu im Programmangebot ist eine sportliche Ertüchtigung: am  22. August messen Amateure – bekannte Persönlichkeiten – ihre Fertigkeiten im Gespannfahren. Alle Aufführungen und Auftritte finden auf der Seebühne statt, was an dieser Stelle hervorgehoben werden sollte, weil z.B. das Ungarische Staatliche Volksensemble auf die eigenen Kulissen verzichtet und den See als Kulisse für die „Sonnenlegende” wählte.

Journalisten am Bat'a-Denkmal; unsere Mitarbeiterin im Hellblau.

Was tut der Gast, wenn nicht Festival gefeiert wird? In Martfű wird er sich nicht langweilen (Siehe dazu unsere Beiträge vom 23.01.2010: Das unbekannte Ungarn: Tiszazúg und vom 10.12.2011: Das unbekannte Ungarn: Neues aus dem Theißwinkel, wobei an dieser Stelle gesagt werden muss, dass Martfű nicht einfach nur ein wunderbares Schwimm- und Thermalbad hat, sondern das Gütesiegel als Kurort erhalten hat, so dass im Kurzentrum seit diesem Frühjahr Kuraufenthalte mit von der Gesundheitskasse finanzierten Anwendungen möglich sind. Besonders stolz sind Bürgermeister Dr. Antal Papp und Kurdirektor László Tomasovszky auf das Therapeutische Schwimmen für unter 18-Jährige: bei orthopädischer Indikation, gegen Übergewicht.)

Jan Antonín BaťaMartfű war anno die Industriestadt, wo Schuhe, Pflanzenöl und Bier hergestellt wurden. Das stimmt auch heute noch, nur dass, geht es um Schuhe, das Markenzeichen Bata genannt werden sollte. Heute werden andere Marken im Gewerbegebiet hergestellt, die Schuhmacherfamilie Bata aus dem mährigen Zlin sorgte allerdings für die Anfänge und den Aufschwung der Marke auch in Ungarn, sprich Martfű: Jan Antonín Baťa (1898–1965) kam 1930 nach Ungarn und errichtete seine Schuhfabrik mit angrenzender Arbeitersiedlung in Martfű. Daran erinnern heute das Bata-Museum im Städtischen Kulturzentrum und die bewohnte, typische Bata-Wohnsiedlung. (Siehe Baťa -Statue vor dem Kulturhaus.)