Zahlen.

Zahlen, die so ungeheurlich sind, dass man sich das Leben, das dahinter verborgen ist nicht vorstellen kann. Millionen Menschen verschwanden 1943–45 aus den Städten und Dörfern Europas, an die 600 000 aus Ungarn. Den Millionen Opfern der Nazis gibt der Künstler Gunter Demnig ein Gesicht, er lässt sie nicht in Vergessenheit geraten, denn die Erinnerung kann ewig sein, ist ewig, ist wie eine Zwiebel, die gehäutet werden kann und immer Neues zum Vorschein bringt, so der Vorsitzende des Jüdischen Kulturvereins Mazsike Péter Kirschner.

Anlässlich der Ehrung des Künstlers in Budapest, sagte dieser, wie schwierig es ist, sich zu freuen im Zusammenhang mit dieser seiner Tätigkeit, er sich aber über jeden weiteren Gedenkstein freue, weil er damit versuche, die Opfer nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. 1993–94 hatte er die Idee, diese Erinnerung in einem künstlerischen Projekt zu materialisieren.

Ein evangelischer Pfarrer ermutigte ihn, trotz der astronomischen Opferzahlen anzufangen, auch wenn das nur klein möglich war.

Seit dem Start des Stolpersteine-Projektes versetzte Demnig 53 000 Gedenksteine in 19 Ländern. Er, der für die Realisierung des Projektes eine Stiftung gründen musste, um der Aufgabe gerecht zu werden, bekommt auch gegenwärtig Anfragen mit der Aufzählung von Opfernamen und der Bitte, an sie zu erinnern. Sein Auftrag: überall, wo die Nazis gewütet haben, muss die Erinnerung wach bleiben.

Erst kürzlich kamen erste Anfragen aus Griechenland, wo Gunter Demnig die dort ersten Stolpersteine im Herbst ins Pflaster vor den Wohnhäusern von Ermordeten der Nazis einfügen wird. Auf meine Frage, ob ihm Zeit und Kraft für die künstlerische Umsetzung anderer Themen bleibe, antwortete Gunter Demnig mit einem klaren Nein. Wie auch, wenn er allein 2014 267 Tage mit der Anbringung von Stolpersteinen in allen Teilen Europas beschäftigt war?

Der Vorsitzende der Jündischen Glaubensgemeinden in Ungarn Mazsihisz András Heisler stellte die Frage in den Raum, ob es sich beim Thema Stolpersteine um berühmte Menschen handelte.

Nein, einfach nur um Menschen!

Und sollte es Proteste geben, dann könne er sich auch damit abfinden, denn wenn jemand protestiert, beginnt er (vielleicht) auch nachzudenken.

Wie wichtig die Stolpersteine nicht nur für den  Verband der Jüdischen Glaubensgemeinden in Ungarn Mazsihisz und den schon genannten Jüdischen Kulturverein, sondern auch für das offizielle Ungarn sind, hob der Staatssekretär bei der Kanzlei des Ministerpräsidenten Csaba Latorcai hervor: das Holocaust-Gedenkjahr ging im Januar 2015 zu Ende, die Zeitzeugen verschwinden, die Erinnerung an die Opfer darf das nicht. Für das Stolpersteine-Projekt stellte die Regierung 15 Millionen Forint bereit.

PS: am 31. Juli wird in der Metro-Station Stadionok eine Gedenkausstellung an die Holocaust-Opfer in Ungarn, Juden und Roma, eröffnet.