Es ist eine neue Sicht auf den Kriegsverbrecherprozess des 20. Jahrhunderts. Die Fakten sind bekannt, dafür gehen meine Zeitgenossen, ich wage zu behaupten, auch die historisch versierten, betroffenen, nicht automatisch ins Kino.

Aber die Show?! Was soll das? Im Prozess, dessen jede einzelne Zeile, jede Minute, der Welt bekannt ist, bekannt sein muss, geht es ums Böse im Menschen. Der Dokumentarfilmer Leo Hurwitz (Anthony LaPaglia), der vom New Yorker Producer Milton Fruchtman (Martin Freeman) im Auftrag der israelischen Regierung den Prozess aufnehmen, übertragen soll, sagt im Film: „Ich glaube nicht an Monster, aber ich glaube, dass Menschen verantwortlich sind… Er lässt seine Assistenten die im Gerichtssaal nicht sichtbaren Kameras immer dringlicher auf Eichmanns Gesicht zielen, ruhen.

Das berühmte Foto: Adolf Eichmann in Jerusalem Foto: picture alliance / Everett ColleDer Angeklagte im Glaskasten zeigt keinerlei Regung, antwortet lapidar (immer die Originalaufnahmen): nicht schuldig, nur zweimal (ich bin mir nicht sicher: viellelicht dreimal, aber bestimmt nicht öfter) zuckt etwas, ein Muskel, in seiner linken Wange.

Der Schreibtischtäter, Mann, der nur Anweisungen ausführte, hat aus eigener Sicht ein reines Gewissen, vom 11. April bis 15. Dezember 1961, immer im gesamten Prozess. Am 31. Mai 1962 wurde der Schreibtisch-Massenmörder gehängt.

Und wo bleibt die angekündigte Spannung? Sie baut sich zwischen Producer und Regisseur auf. Diese neue Sicht auf das Geschehen ist zwar auch für Milton Fruchtman wichtig, aber reicht seiner Meinung nach nicht aus, um ein erfolgreicher, massentauglicher Streifen zu werden. Wo bleiben die Ereignisse, die die Welt anno 1961 ebenfalls beschäftigten, aufregend gefährliche wie die Kuba-Krise oder wissenschaftliche, wie Juri Gagarin, der erste Mensch im Kosmos (sowjetische Diktion)?

Fruchtman ist der Geschäftsmann, Hurwitz das Gewissen, der mit dem verlängerten Auge, der Kamera, in Eichmann eindringen, das Böse im Menschen verstehen will.

Spannung bis in die allerletzte Minute und gleichzeitig 90 Minuten aufregender Geschichtsunterricht.

„The Eichmann Show” läuft ab 27. August, Englisch mit ungarischen Untertiteln in den ungarischen Kinos.

Absolut sehenswert.