Dr. Didier Pittet, Wisenschaftler, Epidemiologe, Professor am Universitätsklinikum Genf, suchte sich für seine Aufforderung zum Händewaschen den geschichtsträchtigsten Ort in Ungarn aus, das Medizinhistorische Museum Ignaz Semmelweis. Dort hatte Semmelweis seine Kindheit verbracht, durch einen Burgtunnel soll er hinauf ins Burgviertel zum Studium der Medizin gegangen sein.
Semmelweis ging so weit, dass er seine Kollegen auf handschriftlichen Zetteln und Plakaten in der Stadt Mörder nannten und die Frauen aufforderte, ihre Kinder nicht in einem Hospital auf die Welt zu bringen, sondern nur mit Hilfe der Hebamme. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen dokumentierte er in zahlreichen Schriften und Werken. Semmelweis, Nightingale oder Lister revolutionierten die Medizin im 19. Jahrhundert, indem sie sich vor jeder Untersuchung und auch nachher die Hände mit einer chlorwasserhaltigen Lösung wuschen.Professor Pittet, der schon dreimal im Museum war und forschte, beschwor einleitend die Gestalt des ’Retters der Mütter’ herauf, dessen Streit mit seinen etablierten honorigen Kollegen, die aus dem Obduktionsraum direkt und ohne sich die Hände zu waschen zu den gebärenden Frauen und Wöchnerinnen gingen, diese untersuchten und sie womöglich infizierten, dem Tode weihten.
Professor Pittet reist seit 25 Jahren im Auftrag der WHO durch die Welt und wirbt für Handhygiene, saubere Hände, was auch dort möglich ist, wo es kein sauberes Wasser gibt oder man es nicht gerade zur Hand hat. Es ist die alkoholhaltige Lösung, mit der man sich die Hände sauber reibt. Wer hat noch keine Ärzte- und Krankenhaus-Seifenopern geguckt und die Götter in Weiß vor der OP dabei beobachtet?

Die systematische und kontrollierte Krankenhaus-Hygiene ist sein großes Anliegen. Aufschreckende Meldungen von Infektionen und Sterbefällen in Krankenhäusern machen die Runde um den Globus. Die Krankenhaus-infektionen in Ungarn entsprechen dem EU-Durchschnitt, sind sogar etwas besser, so der Hauptdirektor des Budapester Kranken-hauses Bajcsy-Zsilinszky (über 800 Betten) Dr. Attila Bodnár. In dem riesengroßen Komplex in Süd-Pest wird für möglichst 100-prozentige Sauberkeit durch Putzen und Desinfizieren gesorgt. Eines der Probleme sind die resistenten Keime, die auf Antibiotika nicht reagieren, ein anderes die von draußen eingeschleppten Verschmutzungen.
Sauberkeit und Vorbeugung ist alles, was der gesunde Mensch im Alltag tun hat, um gesund zu bleiben (von gesunder Ernährung und Bewegung mal abgesehen, die gehören nicht zum Thema Handhygiene-Tag2016 inUngarn.
PS: Auch die Kunst wirb fürs Händewaschen. „Die Bedeutung des Händewaschens” so der leider sperrige Titel der informativ-witzigen Aufführung im Budapester Thalia Theater, die oft von Schulen gebucht wird, aus der aber jeder Zuschauer vieles über die Bakterien und das Schnäuzen, Semmelweis und seine ignoranten Professorenzeitgenossen erfährt. Interpretiert werden Gut und Böse von den Schauspielern László Katona und Gusztáv Molnár, Regie führt Péter Scherer.

