Das Kuratorium Deutsche Einheit erklärte, Németh werde für seine „mutige Entscheidung” geehrt, vor 25 Jahren die Grenzsperren des Warschauer Paktes zu Österreich abzubauen. Kuratoriumspräsidentin Christine Lieberknecht sagte am Sonntag, diese Geste der Mitmenschlichkeit habe eine tiefgreifende politische Wirkung gehabt. Damit sei ein Ventil geöffnet worden, so dass auch die DDR von innen destabilisiert worden sei. Auch die Flüchtlinge in Ungarn und der CSSR seien ein Motor zur friedlichen Entwicklung von 1989 gewesen. Németh habe unter den Bedingungen der Unfreiheit ein Zeichen für die Freiheit gesetzt und Menschlichkeit über Ideologie und Doktrinen gestellt.
Németh hatte nur wenige Monate nach seiner Amtsübernahme bei einem Antrittsbesuch in Moskau im Frühjahr 1989 den sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow über die Pläne seiner Regierung informiert, die Grenzanlagen zu Österreich nicht zu erneuern und in Ungarn eine Mehrparteiendemokratie einzuführen. Im Juni durchtrennten Ungarns Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Amtskollege Alois Mock öffentlichkeitswirksam den Stacheldraht an der Grenze. Anfang September öffnete Ungarn endgültig seine Grenze. In den folgenden drei Wochen flüchteten mehr als 25.000 DDR-Bürger nach Österreich.
Der frühere Bundeskanzler von Österreich, Wolfgang Schüssel, sagte bei der Festveranstaltung am Sonntag, mit der Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze sei damals der erste Riss in der Mauer entstanden. Németh und sein damaliger Außenminister Horn seien „echte Reformer” gewesen, die eine „brutale Zerschneidung des Kontinents” beendet hätten.
Point Alpha zeigt Sonderausstellung zu Sopron 1989
Ab Montag erinnert in diesem Zusammenhang im Grenzmuseum Point Alpha eine Ausstellung an das Paneuropäische Picknick nahe Sopron. Unter dem Titel „Der erste Riss im Eisernen Vorhang” werde die Flüchtlingsbewegung vor 25 Jahren aus der DDR über Ungarn thematisiert, teilten die Ausstellungsmacher mit.
Am 19. August 1989 wurde während eines österreichisch-ungarischen Festes für einige Stunden symbolisch die Grenze geöffnet. Mehrere hundert, möglicherweise bis zu 1.000 DDR-Bürger nutzten dies zur Flucht.
Erster Preis ging 2005 an Kohl, Busch und Gorbatschow
Der Point-Alpha-Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit 2005 verliehen. Erste Preisträger waren 2005 der frühere US-Präsident George Bush, der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow und Altbundeskanzler Helmut Kohl. 2009 ging der Preis an die Bürgerbewegung der DDR. Zu den weiteren Preisträgern zählen auch Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Polens Ex-Präsident Lech Walesa. Der Preis ist nach dem einstigen Beobachtungsposten Point Alpha der US-Streitkräfte in der Rhön zwischen Thüringen und Hessen benannt.





