Im gleichen Atemzug sollte allerdings das die ungarische Musik prägende Dreiergespann Bartók, Kodály und Lajtha genannt werden. Der Künstler, dessen Werk nicht aufgeführt, gespielt wird, den gibt es nicht, er lebt nur in seinen Werken weiter und deshalb sollen die Versäumnisse vieler Jahrzehnte nun aufgeholt werden. 2012 soll dafür genutzt werden: vor 120 Jahren geboren, vor 50 Jahren verstorben. Die 1983-84 von der Familie gegründete László Lajtha-Stiftung, das Haus der Tradition,wo der Lajtha-Nachlass aufbewahrt wird, der Musikkanal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Magyar Rádió/Bartók Rádió) und der Palast der Künste stellten für das Lajtha-Jahr ein anspruchsvolles, reichhaltiges Programm zusammen. Der Auftakt erfolgt am 16. März im Palast der Künste: um 18.30 Uhr wird im Foyer die dem Künstler gewidmete Gedenkausstellung eröffnet, anschließend im großen Konzertsaal vor Ort  die Filmmusik zum Dokumentarstreifen Hortobágy von den Symphonikern des Ungarischen Rundfunks aufgeführt; dazu auch der Film. (Es ist übrigens die Eröffnungszeremonie des Budapester Frühlingsfestivals.)

Im Laufe des Jahres und bis ins Frühjahr 2013 steht das umfangreiche kompositorische Werk ungarnweit, in Konzertsälen und Schulen auf dem Programm, die neun Symphonien, zahlreiche Streichquartette und hoffentlich auch die einzige Oper Lajthas „Der Blaue Hut” (dafür fehlen vorläufig die finanziellen Mittel). In der Geburtstagswoche Lajthas (30. Juni 2012) startet Bartók Rádió eine fünfwöchige Reihe, um dieses ’unbekannte’ Lebenswerk im Gespräch von Fachleuten, Zeitgenossen, Zitaten und viel Musik thematisch zu erschließen. Es geht um László Lajtha den Komponisten, den Volksmusikforscher, das Verhältnis des Künstlers zur Macht, zur Bühne, zum Ungartum und den Einfluss, den die französische Kultur und Musik auf ihn ausübten. Im Sommer und Herbst wird von Bartók Rádió auch aus der Volksmusiksammlung Lajthas geschöpft, mit dem erklärten Ziel, die Volksmusik in Richtung world music zu öffnen, um dieses Werk auch für jene interessant zu machen, die nicht unbedingt auf Volksmusik stehen.

Bis 2013 soll auch das seit langem beplante László Lajtha Gedenkzimmer im Musikwissenschaftlichen Institut im Budaer Burgviertel eingerichtet und eröffnet werden.

Wer nicht die Möglichkeit hat, Lajtha-Kompositionen live zu erleben (z.B. anlässlich der China-Tournee von Márk Fülep, Flöte und József Gábor, Klavier – 1.-19. August 2013), der könnte nach den von den Pannonischen Philharmonikern aufgenommenen neun Symphonien und der vom Auer Streichquartett eingespielten Kammermusik Ausschau halten.