Ergo: nun schon zum 31. Mal. Tradition, denn Visegrád ist traditionsträchtig und die Burgspiele wurzeln im Treffen der Könige Ungarns, Polens und Böhmens anno1335 indiesem Visegrád, wo Freundschaft und Zusammenarbeit besiegelt wurden. Historisch auch, weil diese Zusammenarbeit mit der Gründung der V4 – Polens, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarns – 1991 nochmals besiegelt wurde.

Anlässlich der Burgspiele steht natürlich die Historie an diesem authentischen Schauplatz im Vordergrund. Prunkvolle Umzüge, Ritterturniere, Falkner und Gaukler, Konzerte mit Musik des Mittelalters und der Renaissance, das Beste aus Küche und Keller jener Jahrhunderte, aber auch kindergerechte Unterhaltung, sportliche Ertüchtigung wie sie zur Zeit Karl Roberts als Mut- und Geschicklichkeitsprobe geübt wurde, Jahrmarkt, Fackelumzüge und neuerdings auch Ritterturniere nach Sonnenuntergang, d.h. nachts und vieles andere mehr stehen auf dem Programm.

Zelebriert werden Mittelalter und Renaissance vom Ritterorden Sankt Georg, dem als Kanzler László Cseke vorsteht. Dieser Orden knüpft an den ersten könglichen Ritterorden in Ungarn, gegründet 1326. Der der Traditionspflege verschriebene Orden hat 570 Mitglieder (übrigens ein Drittel davon Damen, wie es offiziell heißt, die allerdings genauso wie die männlichen Mitglieder in den drei Knappenschulen, in Visegrád, Sopron und Nyíregyháza ausgebildet werden. Ab sechs werden Jungen und Mädchen aufgenommen, nur dass die Mädchen sich mit der sportlichen Betätigung begnügen müssen, weil im Mittelalter nur die Ritter zum edlen Kampf antraten, bzw. in die Schlacht zogen.) Außer auf die Traditionspflege mit vielen Auftritten im In- und Ausland konzentriert sich der Sankt Georgs-Orden auf karitative und wissenschaftliche Aktivitäten. Karitativ sind Sammlungen und Hilfen für Bedürftige u.a. für Gemeinden in der Karpatenukraine, wissenschaftlich die Sommeruniversitäten, in diesem Jahr die 22. im nordostungarischen Nyíregyháza. Veranstaltungen wie die Ritter- und Burgspiele sowie die zahlreichen Auftritte im Ausland kann Sankt Georg kulturell nur im Programmaustausch mit den historischen Verbänden in Italien, Slowenien, Polen, dem Karpatenbecken und, und, und meistern, so Kanzler László Cseke.

Finanziell bauen die Veranstalter 2015 auf die zwei Millionen Forint aus dem Nationalen Kulturfonds sowie 16 000 Euro aus dem Visegrád Fonds. Und natürlich wird in Visegrád am 10., 11. und 12. Juli 2015, auch Eintritt gezahlt. Siehe dazu www.palotajatekok.hu in Ungarisch, Englisch, DEUTSCH und Italienisch. Im Vorverkauf unter www.jegy.hu, ansonsten vor Ort am Eingang zu den Ritterspielen. (Siehe auch den Beitrag vom 8. Juli 2014: 30. Internationale Burgspiele Visegrád.) Achtung! Es gibt auch Programme , wo der Eintritt frei ist.
Doch zurück zu 2015. An sieben Schauplätzen werden rund 100 historische Programme geboten, die wichtigsten sind der Platz vor den historischen Schlossmauern (Ritterturnier!), der Salomonturm aus dem 13. Jahrhundert, der fälschlicherweise den Namen des viel früheren Arpadenkönigs trägt, ein Wohnturm ist, mit Museum und 138 Treppen hinauf auf die Aussichtswarte. Auf seiner Terrasse wird nach Art der mittelalterlichen Ritterspiele gekämpft. Von den sieben Schauplätzen sei an diesr Stelle noch der Königliche Weinhof hervorgehoben, wo am Freitag und Samstag bis Mitternacht, am Sonntag bis 19 Uhr Weine aus den historischen Weinregionen Ungarns verkostet werden können; als deren Unterlage genieße und probiere man die Spezialitäten nach Originalrezepten der königlichen Küche zubereitet aus.
Warum Kanzler László Cseke trotz ergrauter Schläfen seit Jahren unermüdlich zu Armbrust oder Schwert greift, organisiert und vermittelt, fasste er mit den Worten eines Gastes zusammen: „Ich komme jedes Jahr, weil ich nach diesen zwei bis drei Tagen ein weiteres Jahr leben kann.”

