INTERVIEW | 1. April 2013, 17:47
„Das Wesen der Fidesz ist ihr Hunger nach Macht”
Ungarns Ex-Premier Gordon Bajnai organisiert die Opposition neu und fordert Viktor Orbán heraus. Wie er Frieden mit Banken und ausländischen Investoren schließen will, sagte er András Szigetvari
STANDARD: Orbán ist ein schwer einschätzbarer Politiker: Ungarns Premier hat Banken und ausländische Konzerne mit hohen Steuern belegt, zugleich die Arbeitslosenhilfe gekürzt und Bettelei unter Strafe gestellt. Wo steht er politisch?
Bajnai: Obwohl Orbáns Fidesz der Europäischen Volkspartei angehört, ist sie eine populistische Partei mit stark rechtem und stark staatskapitalistischem Einschlag. Das Wesen der Fidesz ist aber derzeit ihr Hunger nach Macht: Hinter jeder Maßnahme, hinter jeder Idee der Fidesz steckt nichts anderes als die Frage, ob sich damit die eigene Macht absichern lässt, und zwar ganz gleich, zu welchem Preis.
STANDARD: Allerdings lassen sich ausländische Konzerne davon offenbar nicht abschrecken: General Motors hat erst im Februar neue Investments in Ungarn angekündigt, auch Audi baut die Produktion aus…

