Im ersten Stock des 3-Sterne-Hauses Termálhotel Martfű (siehe Photo) residiert der Miteigentümer und Generaldirektor László Tomasovszky jr. und verwaltet das auf knapp13 habefindliche Anwesen. Dazu gehören: Schlosshotel-Pension Martfű***, Kur-Camping Martfű**** (2005 eröffnet), Freizeitsee mit Seebühne, Thermalhotel Martfű*** (2007 eröffnet), Kur- und Schwimmbad Martfű (2009 übergeben) und das im Bau befindliche sog. Dienstleistungshaus. Dieses (insgesamt 3000 qm) soll im Sommer 2012 eröffnet werden und ist so plaziert, dass es aus dem Hotel (100 Betten in geräumigen, in Pastellfarben gehaltenen Zimmern), dem Kur- und Schwimmbad, aber auch von draußen direkt erreichbar ist. Dann stehen den Besuchern u. a. Saunen, Salzhöhle, Fitnesssaal, Massage- und Ruheräume, aber auch Spielzimmer, ein Konferenzsaal und Handelseinheiten zur Verfügung.
Soviel zum touristischen Ausbau.
Was Marfű als Kulturzentrum, als Kulturfokus der Region betrifft, legte László Tomasovszky dafür 2010 den Grundstein. Jeweils in der Woche vor dem ungarischen Staatsfeiertag, dem Sankt-Stephans-Tag am 20. August wird hier, am Ufer von Theiß und Kursee das Örökzöld/Immergrüne Theißfestival veranstaltet. Mittelpunkt ist die 2011 übergebene Seebühne, wo Stars und Sternchen auftreten. Außer den Konzerten werden Ausstellungen, das internationale Filmfestival (mit Dokumentarstreifen aus sechs Ländern in diesem Jahr; preisgekrönt ein portugiesischer und ein ungarischer Film) organisiert, Fischlinge in der Theiß ausgesetzt und vieles andere angeboten.
Noch jung hat die Veranstaltung trotzdem das Qualitätssiegel Festival erhalten und konzentriert sich jedes Mal auf ein bestimmtes Thema: 2011 war es das Leben in der Provinz, 2012 soll es die Bäderkultur sein, erwogen wird auch das Trinkwasser zum Festivalthema zu machen. Für die Bäder und somit die Badekultur in der Region rührt die Martfű Fürdőkultura Kft. die Werbetrommel, die den sommerlichen Kulturbetrieb jeweils am 2. Samstag im Oktober mit einem großen Happening, dem Tag der Bäderkultur abschließt, 2012 ist das der 13. Oktober. Auf die bisherigen beiden Evergreen-Theiß-Festivals waren jeweils rund 10 000 Besucher neugierig, es waren zu 90-95 % Ungarn, immer mehr Besucher reisen allerdings aus dem benachbarten Ausland und hoffentlich auch aus entfernteren Länden an. Die beste Werbung ist dafür jene von Mund zu Mund, denn sie bürgt für Authentizität.
Wie verbringt der Gast seine Freizeit, wenn er schon gebadet hat, nicht gerade Festivalzeit ist und eher winterliche Temperaturen vorherrschen? Natürlich mit Abstechern in die Umgebung (siehe auch die schon erwähnte Reportage vom 23.01.2010) Nur6 kmvon Martfű entfernt ragt auf dem Kurgan bei den ehemaligen Wirtschaftsgebäudes des Gutes der Familie Baghy eine der wenigen Windmühlen der Region gen Himmel. Diese Region war jahrhundertelang auch für ihre Windmühlen berühmt. Mit der Industrialisierung verloren sie ihre Existenzberechtigung und wurden (leider) von den Häusle-Bauern als Baumaterial abgetragen. In der Windmühle von Baghy-major (siehe Photo) wurde noch bis 1950 Mehl gemahlen, um 1960 diente sie als Künstleratelier, quasi als Künstlerkolonie. 2008 wurde sie betriebsfähig restauriert und kann besichtigt werden. Von ganz oben liegen dem Betrachter die Weiten der Alföld-Ebene, ganz im Vordergrund ein toter Theißarm, zu Füßen. Die zweite noch in Betrieb befindliche Windmühle der Region befindet sich in Törökszentmiklós.
Ein anderer getesteter Ausflug führte mich in die Kleinstadt Tiszaföldvár und dort ins Geographiemuseum, wo sich der Besucher schon vom Titel der Dauerausstellung animiert in die Entstehung und Erdgeschichte des Theißwinkels vertiefen kann. Aus dem Flussbett der Theiß wurden zahlreiche urzeitliche Funde geborgen (siehe Photo). Was für mich besonders aufschlussreich war, man kann sich über die schon erwähnten Kurgans informieren. Ein wichtiger Stellenwert gebührt auch der Fauna und Flora an und in der Theiß.
Entlang der Theiß, genauer, am Theißdamm bei Rákóczifalva führt der 5,5 kmlange Lehrpfad mit zahlreichen Tafeln über das Biotop, aber auch den Kampf gegen die einst unberechenbaren Überschwemmungen (das bisher verheerendste Hochwasser verwüstete das Land im Jahr 2000, Höchstpegel 1041 cm). 2005-2006 war die umfassende Studie über das Biotop und den Hochwasserschutz bis Szolnok erstellt worden. Was seither unternommen wurde, dokumentieren ebenfalls die Tafeln entlang des Lehrpfades. Der Tourist sollte die Mühe nicht scheuen, bis hinauf auf den Aussichtsturm (siehe Photo) zu ’keuchen’. Das Panorama belohnt ihn dafür, natürlich eher von Frühjahr bis Herbst, wenn man mit der Fähre (nur für Personen und Fahrräder, Mai – Ende September) auch das gegenüberliegende Ufer erkunden kann.
Als Abschluss dieses Reiseberichtes sei mir gestattet für die Verschnaufpausen zwei Gourmettempel namentlich zu erwähnen, den Gasthof mit Weinkeller Albert in Martfű, wo zur exquisiten Speisenfolge edelste Tropfen aus ganz Ungarn serviert werden, sowie das Restaurant mit Reiterhof Suttogó (Flüsterter, d.h. Pferdeflüsterer) von Nagykörű (ca.30 km von Szolnok Richtung Martfű), das so um Gäste wirbt: Wer bei uns seinen Hunger stillt, darf gratis reiten!

