(Foto: Kristóf Kelecsényi.)

Öffentlicher Telefonapparat.

Die öffentliche Telefonzelle im Visier! Im Telefónia Museum im Budaer Burgviertel, Úri utca 49, wurde dieser Tage die Wechselausstellung obigen Titels eröffnet. Das Telefónia Museum residiert eher versteckt im Parterre  imposanter alter Klostermauern. Kaiser Joseph II. hatte anno alle geistigen Orden verboten, so bedeutete das auch die Auflösung des Klosters der Klarissinen in besagtem klassizistischen Bauwerk.

Die Räumlichkeiten wurden im Laufe der Jahrhunderte und werden es auch jetzt von Institutionen, Gesellschaften und die ursprüngliche Klosterkirche seit 1991 als Museum, das der Fernsprechgeschichte, genutzt. Nur drei Säle, eher Räume dienen als Ausstellung. Es riecht/duftet nach Technik, Industrie, Öl.

Im mittleren Saal befindet sich nämlich die weltweit einzige auch heute betriebs- und funktionstüchtige automatische Telefonzentrale, die von 1928 bis 1985 die automatische Schaltung und damit Verbindung der beiden Gesprächspartner an den beiden Ende der Strippe im Burgviertel und Umgebung herstellte.

Revue passiert hier die ungarische Geschichte des Telefonierens von Tivadar Puskás (1844-1893), Erfinder der ersten europäischen Telefonzentrale und somit ein Urvater des Telefonwesens (er baute die ersten Telegrafen- d.h. Telefonzentralen in Boston, 1878, Paris, 1879, und ab1881 inder k.u.k. Monarchie, so auch in Ungarn) über die Übergabe der ersten öffentlichen Telefonzentrale in Újpest in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph 1884, der Übergabe der ersten Telefonzelle 1901 am Budapester Ostbahnhof, die Übernahme des Fernsprechbetriebes durch die Ungarische Post 1950 bis in die Gegenwart.

Schwerpunkt der Ausstellung, die bis Ende 2016 besichtigt werden kann, ist die Telefonzelle im öffentlichen Raum, d.h. auf Straßen und Plätzen, aber auch indoor, in öffentlichen Insitutionen. Ihre hohe Zeit hatte die Telefonzelle 1998-2001, als  ungarnweit von 30 000 öffentlichen Telefonapparaten telefoniert werden konnte. Heute sind es gerade noch 7 000. Sie haben ausgedient, nicht nur weil jeder Erdenbürger heutzutage mindestens ein mobiles Telefon, sprich Handy, hat, sondern auch jeder ans Festnetz angeschlossen wird und nicht mehr wie anno, bis in die Achtziger des vorigen Jahrhunderts (ich könnte ein persönliches Lied davon singen) jahrelang auf den Telefonanschluss  in den eigenen vier Wänden warten musste.

1978 wurden die ersten modernen Telefonapparate installiert; trotz modern waren die ’Vandalen’ von Anfang an am Werk. Es ging um die Münzen im Apparat, wofür die ganze Telefonzelle brachial bearbeitet, d.h. zerstört wurde. Und dann wurde der Missbrauch mit den Telefonkarten fortgesetzt. Heutigen öffentlichen Telefonapparate sollen sicher sein, können nicht mehr zerstört werden. Es gibt auch nur noch wenige, so z.B. die Apparate auf dem Budapester Flughafen mit der Aufschrift: International Calling (Credit Card Call in all countries) natürlich auch mit Euro zu bedienen.

Alles Schnee von gestern? Oder nur für Technikfreaks interessant? Ich weiß es nicht. Für mich ist die Technik ein Buch mit sieben Siegeln. Trotzdem fand ich die Vernissage interessant, weil mir wieder einmal bewusst wurde, dass Gegenwart und Zukunft historische Wurzeln haben und die Wurzeln unseres heutigen Fernsprechens die elektronische Vergangenheit sind, in die sich auch der Laie im Telefónia Museum vertiefen kann.

Ob denn Schüler, Schulklassen sich zur Besichtigung anmelden, wollte ich von der Leiterin des Museum Judit Kisfaludi wissen. Eher nicht. Es sind eventuell Studenten der TU. Und Berufschüler? Tja, es gibt nur noch eine Berufsschule vom Fach, die Technische Schule für Fernmeldewesen Tivadar Puskás.