Die Festivals stehen in diesem Sommer und ganzen Jahr im Zeichen des vom Ungarischen Tourismusamt ausgerufenen Jahres der Gastro-Erlebnisse (sie auch unserem Beitrag vom 15. Februar 2016: Das Jahr der GASTRO-Erlebnisse: GASTRO-Destination Ungarn), so dass es sich von selbst versteht, dass Kultur betonter als bislang mit Kulinarik verbunden wird.
Hier seien ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit ein paar Programmvorschläge gemacht:
Székesfehérvár, die Stadt der ungarischen Könige. Die Altstadt präsentiert sich kunstvoll renoviert, neu gewandet. Auf diesem historischen Boden finden im August, vom 12.-21. die Königstage statt; Höhepunkt ist die liturgische Krönungszeremonie, der Vertrag, den der Anwärter auf den Thron mit Gott, d.h. dessen Stellvertreter auf Erden schloss, vollzogen vom Oberhaupt der katholischen Kirche Ungarns. Székesfehérvár steht für 300 Jahre ungarische Staatlichkeit, die Könige des Arpadenhauses wurden hier bis 1527 gekrönt; vom 13. bis 15. August wird Béla der Blinde, der Bettler des Lichts gekrönt.

Für die Aufführung zeichnet der Theaterregisseur János Ács verantwortlich. Ein Schmankerl im Programmangebot ist Musica Sacra (Rossinis Oratorium) am 16. August auf der größten ständigen Freilichtbühne Ungarns, mit Starbesetzung, der Opernsängerin Andrea Rost und Solisten des Bolschoi.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die antike römische Ruinenstadt Gorsium (Gemeinde Tác) bei Székesfehérvár nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten wieder Besucher empfängt, und das schon am zweiten Wochenende im Mai mit Floralia, dem Blumenfest.
Veszprém, die Stadt der Königinnen. Seit 13 Jahren verläuft der Veszprémer Juli im Zeichen von VeszprémFest. Aus dem Crossover-Programm 13.-17. Juli im Burgviertel seien Stars genannt, die seit langem umworben wurden, um auch Ungarn in ihren Terminkalender einzutragen, so die seit 70 Jahren präsente Solistin von Buena Vista Social Club Omara Portuondo, die ihren 85. Geburtstag feiert (am 13. Juli), die Pop-Ikone der 80er und 90er Jahre Lisa Stansfield (15. Juli) oder der Jazz-Pop Interpret Jamie Cullum, der erst 36 Jahre alt Grammy-Preisträger ist, wie viele andere in Veszprém angesagte Künstler.
Noch vor dem VeszprémFest steigt in der Altstadt vom 8. bis 17. Juli Rozé/Rizling Jazz mit 30 Konzerten und 30 Winzern.

Ungarische Geschichte kann und sollte auch in der ehemaligen Industriehochburg Várpalota, die ihre Burg aus dem Mittelalter in den Fokus rückt, erlebt werden. Unter dem Burghauptmann György Thury standen 500 Verteidiger der türkischen Übermacht von 8000 Soldaten unter dem Pascha von Buda Arslan gegenüber und verteidigten ihre Burg. Um als sozialistische Industriestadt zu verblassen und als Kulturstadt zu glänzen wurde das Gedenkjahr György Thury 2016 ausgerufen mit Höhepunkten ’Tag des Sieges’ (10-12. Juni). aber auch ’Tage der türkischen Kultur und Gastronomie’ (26.-27. August) bzw. der Ungarisch-türkischen Gala im Boxen (17. September).
Schon Ende Mai (27.-30. Mai) lädt Tata ebenfalls in die Türkenzeit ein, als es den ungarischen Soldaten unter dem Hauptmann von Komárom Miklós Pálffy 1597 durch eine List gelingt, in die von den Türken eroberte Burg einzudringen. Ende Mai werden zum Historienspiel Spezialitäten der türkischen Küche serviert, u.a. die leckeren Krautwickel, von denen besitmmt viele gar nicht wissen, dass die Türken sie mit nach Europa gebracht haben.
Um mehr Kulinarisches als Historisches geht es beim Picknick von Etyek auf der Gastro-Promenade, das schon viermal im Jahr, in jeder Jahreszeit, organisiert wird, das Sommer-Picknick am 4.-5. Juni, das Herbst-Picknick am 3.-4. September. Anno auf der Etyeker Weinstraße gestartet, eroberten die leichten, fruchtigen Weine der Budaer Weinberge die ganze Gemeinde, zu den Weinen gesellten sich Käse-, Schinken- und sogar Schokolandenstraße.

Der Velence-See, auf halber Strecke zwischen Budapest und dem Balaton, erwartet nicht nur Badegäste und Sonnenanbeter, sondern auch Musikfreunde, in diesem Jahr sogar mit symphonischen Klänge, leicht serviert, am 23-.25. Juni. Schlagwort: KoncerTÓ (Konzert+tó = Konzert-See). Musiziert wird dem vorläufigen Programmplan nach in der katholischen Kirche von Velence, dem Dabasi-Halász Schloss von Kápolnásnyék, auf dem Velence Korso. Ihre Teilnahme sagten bisher zu: der Pianist Tamás Érde, das Danubia Orchester Óbuda, die Ewald Blechbläser und das Eckhardt Quartett.

