Der neugierige Genießer muss allerdings auf der Hut sein; im Überangebot der viel zu vielen Destillen (über 100 sollen es sein und dass man seit dem Vorjahr seinen eigenen Schnaps brennen darf, ohne dafür belangt zu werden,
hat sich auch herumgesprochen). Qualität ist also oberstes Gebot. Eine dafür sichere Adresse ist das Matheus Pálinka- und Kaffeehaus in Buda. Mann/Frau meinen, einen vornehmen englischen Klub zu betreten, gediegen, diskret, zuvorkommende Bedienung, wo der goldbraun leuchtende Matheus König ist. Goldbraun, weil die edlen Tropfen monatelang in Fässern aus dem Holz des Maulbeerbaumes reifen.
Matheus Pálinka- und Kafeehaus ist eine junge Adresse. Der Hausherr und Eigentümer Csaba Máté, ursprünglich Mathematiker, kam eigentlich zufällig zum Schnaps, dank einer 2007 auf einer Auktion ersteigerten Reprintausgabe, anno 1857, eines Büchleins, das die Franziskaner 1639 verfasst und darin ihre Herstellung von Schnaps, in erster Linie als Medizin aufgeschrieben hatten.Dieses Rezept ist die Grundlage des seither aufgebauten ’Imperiums’ mit eigenen Obstgärten und Brennereien.
Matheus, die lateinische Variante des Familiennamens Máté, machte rasant Karriere. 2008 auf dem Markt, 2009 ein
Goldregen an Medaillen auf der Wiener Destillata, Ende 2010 vier Goldmedaillen und einige weiter Auszeichnungen
auf der World Spirits Award (siehe Photos).
Das Geheimnis dieses edlen Brandweins? Die Anweisungen der Franziskaner werden strengstens befolgt: das reife
Obst wird von den Bäumen gepflückt, Fallobst ist Tabu, entkernt und dann, was nicht mehr franziskanisch ist, nach
den modernsten Methoden destilliert. Matheus-Pálinka ist Obstler, aus Äpfeln, Pflaumen, Birnen, aber auch
Schleedorn, Holunder und was das Medizinische betrifft, aus und mit Kräutern, denn schon die Franziskaner wussten
den Brandwein als Essenz und Elixier gegen viele Zipperlein, Entzündungen und Gicht, aber auch als Aphrodisiakum
einzusetzen.
Das Besondere an Matheus ist auch seine Stärke: im Original ist dieser Pálinka 50-60 ° stark. Ursprünglich ist echter
Pálinka so stark. Dem heutigen Geschmack entsprechend, angeblich vor allem für die Vertreterinnen des sog.
schwächeren Geschlechts, werden in den Matheus-Schnapsbrennereien auch Light-Varianten kreiiert, ’nur’ 44° bzw.
38° ’schwach’! Bei einer Umfrage stellte sich allerdings heraus, dass 68 % der Frauen und nur 40% der Männer den
ganz starken Pálinka bevorzugen, erzählte Csaba Máté. Wieviel des 40-grädigen die Herren der Schöpfung sich hinter die Binde gießen, bleibt allerdings im Dunkeln.Die Hommage an den ungarischen Obstler Pálinka wird im eingangs genannten Pálinka- und Kaffeehaus auch dokumentarisch zelebriert, mit der Dauerausstellung über die ungarische Geschichte dieses Getränks.
Alle Infos zum Thema können in Deutsch, Englisch, Russisch und natürlich Ungarisch hier oder auch hier abgerufen werden. (Photo: Mátyás Timár)

