Im Fall von Alghanim heuerte dessen Bruder über einen Privatdetektiv die Organisation Invisible Hacking Group aus Chengdu, China, an. Die Vereinigung bietet normalerweise Sicherheitsüberprüfungen für Mail-Services an. Das dubiose Unternehmen lieferte für 400 Dollar die geforderten Zugangsdaten für Alghanims Mail-Account. Über Monate hinweg konnte der Bruder so sämtliche Nachrichten mitlesen. Er erhoffte sich davon einen Vorteil im Streit um die Aufteilung der väterlichen Firma. Die Aktion flog auf, weil durch einen Fehler einige der Mails ins öffentliche Internet gelangten, wo sie von Mitarbeitern Alghanims entdeckt wurden.
Gefahr für Unternehmen
Momentan laufen Gerichtsverfahren gegen Alghanims Bruder und seine Mittäter. Ähnliche Angebote zum Knacken von Sicherheitsvorkehrungen finden sich im Internet zuhauf. Der Startpreis für Mail-Accounts liegt bei 150 Dollar. „Die Sicherheit eines Kontos hängt stark vom Anbieter ab. Die Preisklassen sind nach oben hin wahrscheinlich offen. Es ist zu befürchten, dass solche Angebote zum Trend werden”, sagt Kongehl. In Zukunft wird sich die Lage laut dem Experten eher noch verschlechtern. „Die Menschen passen zu wenig auf und wählen schlechte Passwörter. Auch die Bundesregierung setzt mit dem Erwerb von gestohlenen Datensätzen falsche Zeichen”, so Kongehl.
Durch das geringe Lohnniveau in vielen Schwellenländern ist das dort verfügbare, hochqualifizierte Personal sehr günstig anzuheuern. Das macht die Angebote auch für wirtschaftliche Konkurrenten interessant. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass im Bereich der Wirtschaftskriminalität schon heute solche Söldner im Einsatz sind”, erklärt Kongehl. Oft dringen Online-Einbrüche bei Unternehmen gar nicht erst an die Öffentlichkeit. „Wenn Datenlecks bekannt werden, entsteht für die betroffenen Firmen ein enormer Image-Schaden”, sagt der Experte.

