Dóra Budai und Patrick Nick.Der Startschuss fiel in 16 Schulen ungarnweit, die vier Besten der Besten stellten sich dieser Tage im Spiegelsaal der Andrássy Deutschsprachigen Universität in Budapest zur finalen Debatte. Hauptziel des Wettstreites ist nicht Deutsch ohne Fehler zu sprechen, sondern die Kunst des Debattierens zum gegebenen Thema auf höchstem Niveau zu praktizieren. Und das vor ranghohem Publikum. So wies die Schirmherrin der Veranstaltung, die Staatssekretärin im Ministerium für gesellschaftliche Ressoursen Katalin Novák darauf hin, dass „wir in bestimmten Dingen nicht das Gleiche denken”, die Debatte dafür das probate Mittel ist, seinen Standpunkt gut zu verteidigen, das mit Respekt für sein Gegenüber zu tun und kompromissbereit zu sein, denn nur im Dialog, „in der Debatte kann der kleinste gemeinsame Nenner gefunden werden”.

Schon Cicero soll gesagt haben, dass man reden nur durch reden lernt. Das bewiesen die vier Finalisten in zeitlich präzise festgelegten, mit ihren, wenn notwendig, dreimal mit immer lauterem Klingeln markierten, Argumentationen: je 2 Minuten für die Einleitung, Eröffnung der Debatte, 12 Minuten für die freie Aussprache und 1 Minute für die Schlussrede. Wer pro bzw. contra argumentiert, wird kurz vor Beginn der öffentlichen Debatte ausgelost. Und das erschwert die Argumentation. Denn wer vom Gegenteil überzeugt ist, muss plötzlich das begründen, woran er/sie eigentlich nicht glaubt. Zelebriert wurde das Procedere von der Projektalumna 2015, Siegerin des internationalen Wettbewerbes in Riga, Anna Ryan aus dem ELTE Trefort Gymnasium Budapest und dem Projektleiter von Jugend debattiert international Pavel Bobek.

Die Debattanten: Dóra Budai, Pro 1, Nationalitätengymnasium Budapest, und Patrick Nick, Pro 2, Gymnasium Pécs; Contra 1 und 2 Lilla Welsch, Nationalitätengymnasium Budapest und Dániel Szabó, Österreichische Schule Budapest. Zwei Standpunkte prallten aufeinander: die EU als Solidargemeinschaft und die Souverenität jedes Mittgliedstaates. An dieser Stelle sollte eigentlich die Debatte wiederholt werden, was nicht nur den Rahmen dieses Berichtes sprengen würde, sondern auch ohne Mitschnitt nicht möglich ist.

So sei erlaubt, nur auf Begründungen der Juroren zurückzugreifen. Konzentrierter reden, mehr Gestik und Körpersprache einsetzen, besser argumentieren. Am besten ist das, so die Jury, Patrick Nick gelungen, der in seiner Argumentation für die Einführung und Einhaltung der Quote in Ungarn Weitblick, eine globale Sicht der gegenwärtigen Flüchlingssituation in Europa bewiesen hat. Auf Platz 2 kam seine Mitstreiterin Dóra Budai, so dass die Beiden zum internationalen Finale im Herbst nach Prag reisen werden. Platz 3 und 4 belegten Dániel Szabó, dem trotz seiner hervorragenden Deutschkenntnisse empfohlen wurde, mit Sachkenntnissen noch besser zu argumentieren, und Lilla Welsch. Den vier Finaldebattanten ’spendiert’ die Landesverwaltung der Ungarndeutschen einen einwöchigen Aufenthalt in Baden-Württemberg.

Übrigens: der deutschsprachige Schülerwettbewerb Jugend debattiert international wird seit zehn  Jahren in zehn Ländern Mittel- und Osteuropas, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Russland, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Ukraine und Ungarn ausgetragen. Seit 2005 nahmen daran 20 000 Schüler teil. Es geht vorrangig ums Debattieren in der Fremdsprache Deutsch, um die Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen, um diese Probleme, ja Konflikte demokratisch lösen zu lernen. Und so ganz nebenbei erweitern die Teilnehmer ihren Wortschatz, lernen fließend reden, müssen sich in Themen vertiefen, die nicht unbedingt zu den primären Interessen von Jugendlichen zwischen 16 und 19 gehören. Und wer Lampenfieber hat, der kann es mit viel regelmäßigem Debattieren in den Griff bekommen. (Zu Jugend debattiert international siehe auch unseren Beitrag gleiche Titels vom 14. April 2012.)