Wo: in der Budapester Kunsthalle am Heldenplatz. Wann: vom 22. April bis 13. August 2017

Der Titel: Körülöttünk, Englisch ’All Around Us’, ergo alles was uns umgibt, unsere Umwelt, die „die Kunst des Alltags, das unausweichbare Design” prägt, so die Erklärung des Titels, der seit sechs Jahren (endlich) wieder in den zwölf Sälen der Kunsthalle eingerichteten ’Werk/Fach-Schau’.

„Handwerk und handwerkliche Techniken, ja Technologien sind auch im Zeitalter der Roboter notwendig”, betonte der künstlerische Direktor der Kunsthalle György Szegő. Die Kunst, das Kunsthandwerk und Kunstgewerbe sind so alt wie die Menschheit, schon der Höhlenmensch ritzte in seine Behausung Zeichen, die als Kunst identifiziert wurden. Die Kuratoren József Scherer und Ernő Sára spannten einen breiten Bogen von allen wichtigen bis  unwichtigen Accessoires  der Welt, in der wir leben, vom Porzellanservice und Möbeln bis zu den ’alten’ Meistern, den Lehrern der heute aktiven Designer, von Plakaten bis zum Gobelin, von der Buchbinderei bis zum Sportgerät, von Mode und Schmuck bis zur Innovation usw., usf. Ein Kriterium bei der Auswahl der Exponate war, dass sie maximal zehn jahre alt sein durften.

12 Säle – 12 Themen. Der Ausstellungsrundgang führt aus dem ’trauten’ Heim ins Theater und andere Aufenthaltsorte der Gesellschaft, dann hinaus auf Plätze und Straßen, wo am Design des Mercedes B250e auch ungarische Künstler mitwirkten, ein Rennwagen „Megameter” vom Design-Studio Kecskemét (Péter Várdai) entworgen wurde, der 3800 km (!?) mit nur einem Liter Benzin zurücklegt. Immer wieder hervorgehoben wurde, dass die ungarischen Designer oft ausländische Aufträge erhalten. Im Saal mit sakralen Exponaten geht es um unsere Seele, dort, wo Exponate aus der Esterházy-Sammlung ausgestellt sind, um Werterhaltung und Restauration.  Der Kunst des Buchdrucks ist ebenfalls ein Saal gewidmet, wo ’Schmankerl’ besichtigt werden können, wie die ’Balaton-Banknoten’, ein ’virtuelles Buch’ und ’eine mit Swarowski-Kristallen geschmückte Briefmarke’. In Bewegung sind nicht nur die kunstvollen Exponate und Gebrauchsgegenstände, die in der Freizeit genutzt werden, sondern gesondert auch den auch alles, was sich um Animation, Film und TV dreht.

Unter den Meistern, von denen die aktiven Designer gelernt haben, sich inspirieren ließen, seien an dieser Stelle nur der Goldschmied-Restaurator Joachim Svetnik, der Industriedesigner András Németh und die Keramik-Künstlerin Margit Kovács erwähnt. Letztgenannter ist das Museum in Szentendre gewidmet, ein Haus, wo die Künstlerin gelebt hat.

Für einen angenehm-gründlichen Rundgang durch den Design-Salon in der Budapester Kunsthalle plane man mindestens zwei bis drei Stunden ein. Es lohnt sich.