Der Autor der Erzählungen, hauptberuflich Arzt, Professor Dr. László Csiba entpuppt sich als guter Beobachter, der nicht nur für das Kranke, sondern auch allgemein Menschliche ein offenes Ohr hat. Mit Wohlwollen reagiert er auch auf anfangs antipatische Mitmenschen (siehe „Das Hirn ist wie ein Schneemann”), lässt seine Akteure auch dank der bildhaften Sprache, so den „Schmetterlingen der Erinnerung” (s. 12) Gestalt annehmen.

Überzeugend sind die Beobachtungen im eigentlichen Wirkungsbereich des Arztes, weil der Leser dabei den Aha-Effekt hat. Ja, genauso ist es auch ihm/ihr passiert. Nachvollziehbar sind auch die meisten anderen Erlebnisse, wie das ungute Gefühl, das der Zugreisende im Nachtzug, speziell im Liegewagen (man fahre lieber 2. Klasse!) irgendwo in Europa hat; irgendwo in Europa, nicht nur auf der Fahrt nach Prag. Humorvoll und mit Liebe fürs Detail werden die Erlebnisse in fremden, fernen Ländern (siehe Japan) lebendig. Grotesk und zum lachen komisch empfand ich die Szene im übefüllten Wartesaal des Arztes. (Der Fiedler in der Praxis)

An dieser Stelle seien auch die zur Story passenden, wohl vom Autor stammenden Zeichnungen erwähnt. Dr. Csiba, der seriöse Mediziner, entpuppt sich als Multitalent, das jede freie Minute zur eigenen und der Leser Erheiterung nutzt.

Dieses Buch ist die Lektüre für die Verschnaufpause. Eine einzige Erzählung genügt, um den eiligen, gestressten Zeitgenossen auf andere, angenehme Gedanken zu bringen. Ich persönlich hätte mir dafür ein anderes, handlicheres Format gewünscht: das Taschenbuch. Unterwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln vergeht die Zeit mit diesen heiteren, auch nachdenklich stimmenden Erzählungen im Handumdrehen; nur dass das vorliegende Format in keine Manteltasche passt. Leider.

Trotzdem empfehlenswert: allgemein Menschliches verbindet sich mit typisch Ungarischem.