„Unsere ästhetische Wahrnehmung hat sich geändert, seit die Pornografie mit dem leichten Zugang heute boomt”, behauptet Senger. Deutlich im Umbruch seien die Maßstäbe, die Männer an ihre Partnerinnen setzen, was sich besonders in der kosmetischen Industrie – etwa durch die explodierende Nachfrage nach Schamlippenverkleinerung – zeige. Doch auch bei den Sexpraktiken sei der Einfluss von Pornos nicht abzuweisen. „Männer glauben oft, die gezeigten bizarren Variationen ohne weiteren Erklärungsbedarf übernehmen zu können. Doch gelebte Sexualität beinhaltet im Unterschied zu den kurzen Pornovideos Beziehung.”
iPhone-Kick am Klo
Der Konflikt ist vorprogrammiert: Frauen fühlen sich überfordert oder bloß noch als unzureichende Sexobjekte, Männer werden unzufrieden und glauben, zu kurz zu kommen: „Bei vielen führt dies zum schrecklichen Warten, bis die Frau schläft und sie zum Computer schleichen können. Manche gehen so weit, bei Restaurantbesuchen für Minuten auf die Toilette zu flüchten und sich über das iPhone zu befriedigen, während die Frau am Tisch wartet”, berichtet Senger aus der therapeutischen Praxis. Suchen Paare aufgrund fehlender sexueller Frequenz Hilfe, sei oft Pornografie im Spiel. Mitschuld trägt auch der Suchtfaktor: Bei Enttäuschungen mit der Partnerin suchen Männer oft verstärkt den Porno-Kick.
Was tun, wenn in einer Beziehung Pornografie zum Problem wird? „Das Beste ist Porno-Abstinenz”, rät Senger. Denkbare Alternativen seien das Ausweichen auf kontrollierten gemeinsamen Konsum oder auf erotische Bücher. Schwierig ist das Aufhören besonders in langfristigen Beziehungen, deren Sexleben ermüdet ist. Bei Jugendlichen sei der „Salto rückwärts” viel leichter, beobachtet die Expertin. „Viele Jugendliche und junge Erwachsene konsumieren Pornografie exzessiv, merken dann, dass es ihnen schadet und hören auf damit. Oft ist das mit einem Partnerwechsel verbunden.”

