Die nordungarische Großstadt Miskolc war anno für ihre (sozialistische) Schwerindustrie bekannt. Das war einmal. Die Stadt musste sich neu erfinden, entdeckte ihre kulturellen und gastronomischen Werte, von der malerischen Landschaft am Fuß der Berge von Bükk ganz zu schweigen. Kultur bedeutet u.a. Theater, das Miskolcer Nationaltheater und das allsommerliche Opernfestival Bartók +. Gastronomie bedeutet nun schon seit zwölf Jahren das Sülze-Wochenende im Februar. In diesem Jahr vom 24. bis 26. Februar. Warum Sülze? Weil Miskolc sich als kulinarische Hochburg versteht und dort (angeblich) 30 (!) unterschiedliche Arten der Sülzezubereitung zelebriert werden (siehe Photo). Wer auf Sülze steht, möge sich davon überzeugen. Die Tradtion reicht bis in die graue Vergangenheit.

Es war einmal ein Wandersmann, der kehrte in einer Miskolcer Wirtschaft ein, um seinen Hunger mit leckerer Sülze zu stillen. Die Wirtin holte ihm eine Portion kühler Sülze aus dem Keller und als sich der Gast ans Verzehren machte, blickte ihn ein Frosch aus dem Teller an. So wurde der Frosch zum Maskottchen, zum Logo, des Festivals.

Die Soziologin und Mediatorin Edit Rózsa ist die geistige Mutter dieser Veranstaltung, die von Jahr zu Jahr bekannter wird und nach Miskolc in der toten touristische Saison Ende Februar einlädt, mit kulturellen und kulinarischen Programmen rund um die Uhr. Denn Sülze wird nicht nur als kulinarische Delikatesse verstanden, sondern auch als Bindemittel zwischen Menschen und Regionen. Dazu gehören auch die Ehrengäste: ausländischer Ehrengast ist diesmal Rumänien, ungarischer die Region Abaúj-Zemplén, im Fokus die Kleinstadt Mád, die nicht nur für den Tokajer berühmt ist. Apropos Tokajer. Speziell für das Festival wurde das Getränk Korty (Schluck) kreiert, und das ist ein Bier mit einem Schuss Tokajer aszu/Tokajer Ausbruch-Essenz. Von den drei Festivaltagen abgesehen, kann man Korty nur in einer einzigen Kneipe in Miskolc, bzw. im berühmten U Flekú in Prag bestellen.

Und nun zum im Titel Angekündigten. Unter der Schirmherrschaft des neuen rumänischen Botschafters in Budapest Victor Alexandru Micula wickelt das Rumänische Kulturinsitut Budapest nebst Filiale in Szeged ein Programm ab, das auch länger als nur drei Tage keine Langeweile aufkommen lassen würde, u.a. treten auf: das Folkloreensemble aus Oradea Crisana, die Rock’n’Roll-Band Excentric Blues mit Iulian Canaf aus Iasi, Trei Parale (Drei Groschen) aus Bukarest mit alter rumänischer Musik. Der rumänische Film wird von Nae Caranfils „Filantropica”, der bitterbösen Komödie „Hochzeit in Bessarabien” und dem Dokumentarstreifen „Béla Lugosi, der gefallene Vampir” vertreten. Ausstellungen und Buchpräsentationen, altes rumänisches Handwerk und einiges mehr stehen auf dem Programm.

Das alles vom 24. bis 26. Februar 2012 anlässlich des 12. Miskolcer Sülzefestivals. Wer von Budapest aus anreist, der kann es auch mit dem Nostalgiezug vom Budapester Westbahnhof tun, der verwandelt sich am 25. Februar in den „Kocsonya Expressz/Sülzeexpress”.

2013 wird Kosice der ausländische Ehrengast sein, nicht nur wegen der regionalen Nachbarschaft, sondern weil die slowakische Großstadt 2013 Kulturhauptstadt Europas sein wird.