Laut den Experten diktieren Nutzer immer mehr, wo es in der IT-Welt langgeht. Die Zeiten seien vorbei, in denen an jedem Server-Raum ein großer Zettel mit der Aufschrift hing „Bitte nicht anfassen!”. Antiquiert sei die elitäre Ingenieursdenke, die man in der IT immer noch vorfinde. Spezialistengehabe in Kombination mit unverständlichem Techno-Kauderwelsch beeindrucke längst nicht mehr. Der Vergleich zeige den Unterschied: Früher dominierten Lasten- und Pflichtenhefte beim Bau von neuen IT-Systemen den Arbeitsalltag. Der Nutzer war in diesem Szenario nur ein Störfaktor. Das alles habe sich inzwischen stark gewandelt.
Große interne Herausforderungen
„Agile Programmiermethoden bauen ein IT-System wie einen App-Store mit vielen kleinen Anwendungen darin. CIO, Systemarchitekten und Vertreter der Anwender entscheiden gemeinsam, welche Funktionen das Unternehmen braucht”, erläutert Ramge. Dem Experten nach sinkt die Gefahr, nach einer langen Planung am Reißbrett, ein völlig veraltetes System in Betrieb zu nehmen. Schließlich brauche man sich nur IT-Großprojekte der Bundesregierung anschauen. Bei der agilen Programmierung werde stärker das Unvorhersehbare einkalkuliert. Unmittelbares Feedback sei möglich. Wenn eine Applikation misslingt, kann sie schnell wieder entfernt und verändert werden, ohne große Flurschäden für das gesamte Unternehmen.
„Zukunftsprojekte wie digitale Medien und soziale Netzwerke dominieren derzeitig die Innovationsprojekte der CIOs”, verdeutlicht Udo Nadolski, Deutschland-Chef des IT-Beratungshauses Harvey Nash, gegenüber pressetext. Sie seien nicht mehr als Verwalter der IT gefragt, sondern als Gestalter für das Kerngeschäft der Firmen. Kluge Vorstandschefs positionieren ihre CIOs denn auch auf der Chefebene. 37 Prozent der von Harvey Nash befragten IT-Manager berichten in Deutschland direkt an den Vorstandschef. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Zuwachs von elf Prozentpunkten. Allerdings steigen damit auch die Erwartungen an das Kompetenzprofil des IT-Fachpersonals.

