50 Millionen Forint werden seit dem 1. Mai 2014 und bis zum 31. März 2015 dafür genutzt. Zehn Programmpakete, sprich Reiserouten, wollen die Tourismus-Manager in Lenti bis 2015 schnüren, die diese Region vom Image der Verschlafenheit und Durchreisetrasse nach Slowenien und Kroatien, bzw. auch in die Steiermark, nur einen Katzensprung entfernt, befreien.
Lenti, die Kleinstadt mit 8 300 Einwohnern, liegt nur ein paar Kilometer von der Autobahn M7 von Budapest an die Adria entfernt; 260 km sind es bis nach Budapest, 70 bis an den Balaton, 210 bis nach Wien und 120 bis nach Zagreb. Dass Lenti und das malerische Tal der Kerka noch immer als Region gelten, wo sich die Füchse gute Nacht sagen, hat mit der Grenznähe, sprich dem Eisernen Vorhang, zu tun, der sie vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1989 fast zum ’Sperrgebiet’ zwischen den politischen Blöcken, zwischen der sog. sozialistischer Gesellschaftsordnung und der freien Welt mit allen Konsequenzen verdonnerte.
Im Klartext: Natur ja, Industrie nein, d.h. keine Förderung, bis 1978 mit der Nutzung des Heil- und Thermalwassers begonnen wurde. (Dazu siehe unseren Beitrag vom 22.11.2010: Das unbekannte Ungarn: Lenti.)
An dieser Stelle sei auf die zehn Programmpakete aufmerksam gemacht, die als Wegweiser zu den Sehenswürdigkeiten in der Region führen, vom Tourismusbüro in Lenti zusammengestellt, mit den Gastgebern an den einzelnen Stationen abgesprochen, wenn erforderlich mit Fremdenführer zu ’bewältigen’. Es sind überwiegend Wander- und Fahrradtouren (32 km Fahrradwege plus 82 km zum Radeln ebenfalls geeignete Straßen), kombinierte Touren, so auch Bus oder Schmalspurbahn und auch Kanufahrten auf der Kerka können gebucht werden. Und natürlich soll das Angebot auch ausländischen Touristen, also in Fremdsprachen zugänglich und damit schmackhaft gemacht werden.
Hier ein paar Schmankerl aus den geplanten Programmen. Wie schon einleitend betont, geht es um Lokales und Regionales, Traditionen und Brauchtum, die ohne Förderung allmählich verschwinden, so der Besuch in der Wegstube von Lenti, wo Zsuzsa Hácskó am alten Webstuhl sitzt und Decken und Läufer mit den typischen Mustern von Hetés rot auf weißem Grund, weiß in weiß webt, wo Margit Dulics Körbe und ganze Möbel aus Weidenruten flechtet, dass einem nur vom Betrachten die Hände schmerzen.
In Iklóbördőce ’kocht’ Annamária Farkas die für die Region charakteristischen, früher zu jeder Hochzeit, heute schon zu vielen Festtagen obligaten Grillagetorten. Kocht? In 1 kg geschmolzenen und vorsichtig gebräunten karamellisierten Kristallzucker werden 500 bis 600 g gemahlene Nüsse gerührt und daraus mit einem nassen, kalten Tuch die Torte geformt. Zu einer mehrstöckigen Hochzeitstorte werden natürlich viel mehr dieser Zutaten verarbeitet.
Ein Schwerpunkt in den touristischen Paketen ist der Erzeugermarkt in Lenti. Seit September diesen Jahres bieten an jedem zweiten Mittwoch im Monat nur die Erzeuger aus Lenti und Umgebung ihre leckeren Lebensmittel an, Käse und Honig, Wurstwaren und Speck, Gemüse und Obst. Markttage sind ansonsten Donnerstag und Samstag, wenn die für die lokalen Anbieter reservierte Zeile fast im Überangebot der Textil-, Schuh- und Haushaltswaren-Anbieter untergeht. Eine gute Entscheidung der Stadt, jeden zweiten Mittwoch im Monat für die Gärtner und Landwirte der Umgebung zu reservieren.
Typisch für die Region ist auch das Kernöl, das zwar genauso wertvoll wie das steirische ist, für seine Bekanntheit aber noch viel werben muss. In Hetés steht die Kernölmühle der Familie Szekeres, deren drei Töchter Katalin, Júlia und Éva für die Vermarktung des teuren Salatöls zuständig sind. Teuer, allerdings weit günstiger als in der benachbarten Steiermark oder in einem Spezialitätenladen in Budapest. Allerdings ist der Betrieb so klein, dass er sich auf den Hofabsatz beschränken muss.
Eine mühselige Arbeit die Ölgewinnung aus Kürbiskernen. Für einen Liter Kernöls sind 3 kg Kerne vom Futterkürbis erforderlich, und um mit der Mär vom kaltgepressten Öl aufzuräumen, erklärte Vater Frigyes Szekeres, dass Kernöl von alters her aus erhitzten Kernen gepresst wird. Wie wertvoll und schmackhaft es trotzdem ist, belege die folgende Tradition sowie ein Aufstrichrezept.
Wöchnerinnen wurde empfohlen zwecks rascher Regeneration täglich einen Esslöffel Kernöl zu schlucken. Und dass der Brotaufstrich aus Quark mit gehackten Zwiebeln und einem Schuss Kernöl lecker schmeckt, davon durfte ich mich selbst überzeugen. Übrigens soll Kernöl auf Saurkraut geträufelt ebenfalls munden. In der 220-Seelen-Gemeinde Szécsisziget sollte die Kirche aus dem 15. Jahrhundert mit ihrer Schwarzen Madonna aus dem ehemaligen Paulinerkloster und die einzige an der Kerka noch betriebstüchtige Wassermühle aufgesucht werden.
Anno klapperten 97 Wassermühlen an der Kerka, in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Lauf der Kerka begradigt, eine Mühle nach der anderen wurde geschlossen und abgebaut. Auch in besagter einzigen wird nicht mehr Mehl gemahlen. Sie dient als Mühlenmuseum (die Mühle wurde 1750 gebaut), wird vom Verein der Wassermühle Kerka verwaltet, die auch die im ersten Stock eingerichteten Gästezimmer vermietet.
Und wer sich für Zeitgeschichte und den vor 25 Jahren abgerissenen Eisernen Vorhang interessiert, der könnte einen Abstecher nach Páka einplanen, wo die ’Ungarische Maginot-Linie’, das sozialistische Bollwerk gegen den Klassenfeind verlief und wo noch einige, eher verwahrloste und – Gott sei Dank! – nie genutzte Bunker dahinsiechen.
Aus dem bald anzubietenden touristischen Programm seien einige, ohne deren einzelne Sttionen zu beschreiben, aufgezählt.
Route nr. 5: Die Kraft der Natur, der Schatz der Heilkräuter;
Route Nr. 8: Reichtümer der Region Zala, Erdöl, Holz und Ton;
Route Nr. 10: Besuch bei den Zalaer Kroaten an der Mur
Übrigens: alle Touren starten am Thermalbad und Energiepark.
Alles schön und gut. Wo übernachten aber die Gäste? Im 3-Sterne-Hotel und auf dem Campingplatz am Kurpark sowie in Privatunterkünften vermittelt vom Zimmernachweis. Ab Herbst 2015 soll auch eine ganz noble Bleibe zur Verfügung stehen: die Finanzen stimmen, die Pläne wurden entworfen. Am Rande des Kurparks wird ein 4-Sterne-Hotel mit 94 Zimmern und 2 Suiten gebaut. Die Reportage darüber, über das Kur- und Freibad sowie den benachbarten Energiepark aus aktuellem Anlass in einem Jahr.

