Gewürzpaprika, Ungarwein, Salami sind Mitbringsel, allerdings nicht von Dauer. Das Bleibende sollte aber doch echt sein, die farbenfrohen Stickereien, Keramiken, Taschen und gerade jetzt die meisterhaft bemalten, geritzten Ostereier. Es gibt sie in der Budapester City, in der Régiposta utca 12 bei Folkart.

Folkart-Angebot.

Seit 42 Jahren werden hier nur von der Jury bewertete Volkskunstartikel verkauft. Frau Ágnes Halas, die Inhaberin von Folkart (siehe Photo mit dem handgewebten Gardinenleinen aus Heves) weiß ein Lied von den Schwierigkeiten, sich auf diesem Markt zu behaupten, zu singen. Es geht nicht nur um die Billigkonkurrenz in den wie Pilze aus dem Boden schießenden Schein-Folkläden, sondern auch um den Nachwuchs an Kunsthandwerkern in allen Sparten.

Haussegen auf Huttererteller.

Ostereier.Anno, vor der Wende, waren fleißige, fingerfertige Töpfermeister, Weberinnen, Möbelmaler, Holzschnitzer usw. in 70 Volkskunst-Genossenschaften am Werk; davon hat eine einzige, die im nordungarischen Heves, die vergangenen 25 Jahre überlebt. Die Alten sterben aus, die Jungen – auch bedingt vom Fehlen eines organisatorischen Rahmens – haben weder Zeit, noch Geduld, um sich ins Volkskunst-Handwerk zu vertiefen und damit womöglich auch ihr täglich Brot zu verdienen. Schlimm, ja unverständlich ist auch, dass die Artikel der Volkskunst, Unikate mit Zertifikat, deren Herstellung anno gefördert wurde, die dann mit Null-Steuer belegt wurden und heute unter der 27 % MWSt. stöhnen.

Ági Halas.

Stolz auf ihre einmalige Volkskunst sind trotzdem alle Ungarn, darauf, dass viele als Hungarika anerkannt wurden, so die Spitzen aus Halas oder die Matyó-Stickerei, die seit 2011 auf der UNESCO-Liste des geistigen Kulturerbes steht.

Solche echte Volkskunst, die nicht nur ins Museum, sondern in unser aller Alltag gehört, als Vase, Tischtuch, Bluse, Wandschmuck wie der Hutterer-Teller mit Haussegen (siehe Photo) eine ’gute Figur’ macht, gibt es bei Folkart in der Budapester City. Es gibt für jeden Gusto und Geldbeutel das Richtige, vom Lebkuchenhäschen und den bunten Eiern für den Osterstrauch bis zur sündhaft teuren alltagtauglichen Trachtenbluse, dem Trachtenrock oder dem Gardinenmaterial.

Zu 60 % sind es ausländische Touristen, die sich hier Souvenirs, Accessoires, Kleidung und Einrichtungsgegenstände kaufen. Die besten Kunden sind die Amerikaner, so Ágnes Halas, viele von ihnen stillen ihre Sehnsucht nach der Altheimat mit den Applikationsarbeiten und Matyóstickereien, es muss aber keine solche sentimentale Beziehung bestehen, um an Matyó und Kalocsa Gefallen zu finden, denn es sind auch Japaner, Italiener, Franzosen, Engländer und ’sogar’ Deutsche (nämlich eher wenige), die sich hoffentlich nicht nur in den Folkart-Laden verirren, sondern ihn bewusst aufsuchen. Es lohnt sich! Mehr zu Folkart in der Budapester City unter www.folkartkezmuveshaz.hu und unter www.facebook.com/kezmuveshaz.folkart in Englisch und Ungarisch.

Spitzen-Eier.

 (Bilder: Zoltán Okolicsányi und Folkart.)