Der Begriff Provinz sei nicht mehr so pejorativ behaftet, wie er es lange war, so der Staatssekretär im Ministerium für Regionalentwicklung und Landwirtschaft Zsolt V. Németh. Man sei bemüht, die Provinz als ökonomische, soziale und kulturelle Einheit zu erhalten und zu fördern. Dazu können die Traditionen, d.h. Kultur maßgebend beitragen, fügte der im Ministerium für Humanressourcen für Kultur zuständige Staatssekretär János Halász hinzu. Bereit stehen 700 Millionen Forint, um dies alles zu fördern.
Ein Mittel zum Zweck sind die Thementage. Sie knüpfen a wichtige Kalendertage, so die schon veranstalteten „Käsetage an Ostern” oder „Auf Grünen Pfaden an Pfingsten”, bzw. Sehenswürdigkeiten und Werte, die nur die Provinz bieten kann, so Tanzhaustage, Gehöfttage. Dieses sind nur vier der schon organisierten und für das ganze Jahr geplanten 16 Thementage/Wochenenden.
Aus dem bevorstehenden Angebot seien einige, auch für ausländische Touristen interessante Programme herausgegriffen. Leider, leider kann das Angebot vorläufig nur ungarisch unter die Lupe genommen werden, unter www.videkjaro.hu, Fremdspachenübersetzungen seien geplant, so die Projektmanagerin Andrea Szalay-Zara. Hoffentlich folgt der Planung auch bald die Tat, ansonsten begnügen sich wohl viele Ungarnfreunde auf Budapest, dem Balaton und den Kurbäder.
Wichtig ist, dass die meisten Themen an mehreren Orten ungarnweit zelebriert werden. So z.B. das Wochenende 21.-22. Juni, das im Zeichen alles Guten aus Bauernküche und Bauernkeller steht (u.a. in Egerszalók, Csorvás, dem Gästehaus Papsajt und auf dem Gehöft Eszter Tanya. Csárda-Tage gibt es eigentlich das ganze Jahr über, vor allem an den Wochenenden, wenn auch das in den Fokus gerückt wird, was im Garten und auf dem Feld gerade reift, so schon am 1.-2. Juni das Erdbeerwochenende an obig aufgezählten Orten. Um Naturschutz und Umweltbewusstsein geht es am 27.-28. Juli unter dem Motto „Im sanften Schoße der Natur” am Tisza-See (Ökozemtrum in Poroszló). Heilkräuter und -pflanzen werden eine ganze Woche lang von den Benediktinern in Pannonhalma umworben: 15.-20. August. In diese Woche sind erstmals auch die Klostertage integriert (19.-20. August), wenn das Kloster seine Pforten öffnet und nicht nur den Klostermark organisiert, sondern Raritäten aus der Bibliothek dem Laienpublikum zugänglich macht. Der Alltag und die Traditionen der Hirten werden an Michaeli (28.-29. September) in Gömörszölős, dem Handwerkerhaus Gébhárti bei Zalaegerszeg und in der Puszta Hortobágy veranstaltet. Gömörszölős ist ein Ökodorf mit 80 Einwohnern, wo nur traditionell gewirtschaftet wird. Im Gébhárti Haus sind die Hirten als Holzschnitzer am Werk, in der Hortobágy dreht sich alles um die Zackelschafe. Ein besonderes Erlebnis verspricht auch der Minderheitentag (5. Oktober.) auf dem Gehöft Akác Tanya in Újlengyel zu werden, wo der Gastgeber, der Finne Eero Paakkola heimisch geworden ist und u.a. in die Rauchsauna einlädt, wo nicht nur die Menschen sich gesund schwitzen, sondern auch Lachs geräuchert wird, der anschließend mit finnischen Brotspezialitäten verzehrt werden kann.
Mit Vidékjáró werden einerseits die Ungarn animiert, ihr Land kennenzulernen, aber nicht nur das, andererseits auch der Fremde, der Gast, auf das verborgene Ungarn aufmerksam gemacht. In der Provinz gibt es Orte, die nicht Ziel des Massentourismus sind, es auch nicht werden wollen, wo ein jeder gemütliche, Leib und Seele erfrischende, den Geist forderne Tage erleben kann.

