Jürgens’ Manager Freddy Burger, Pepe Lienhard und das Tourneeteam seien „geschockt und in großer Trauer”, hieß es in einer Mitteilung. Nach der aktuellen Tournee seien alle fassungslos über den plötzlichen Tod ihres Freundes.

„Ein großer Schock für die Familie”

Die Nachricht sei „ein großer Schock für die Familie”. Mehr könne er zunächst nicht sagen, teilte Jürgens’ Bruder, der Maler Manfred Bockelmann mit. „Ich kann nicht fassen, dass es so plötzlich passiert ist”, sagte er der Nachrichtenagentur APA. Tochter Jenny Jürgens habe die Nachricht ebenfalls völlig unvorbereitet getroffen, teilte ihr Düsseldorfer Management der Deutschen Presse-Agentur mit: „Der Schmerz und die Traurigkeit sind groß.”

Rocksänger Udo Lindenberg schrieb in einer SMS an die Deutsche Presse-Agentur: „Es ist, als wäre ein Familienmitglied von uns gegangen.” Die Sängerin Conchita Wurst, erste Gewinnerin aus Österreich beim Eurovision Song Contest seit Jürgens, twitterte „Du warst ein großartiger Künstler – Merci!”

„Wir verlieren mit Udo Jürgens einen echten Ausnahmekünstler”, erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Er habe es „auf wunderbare Weise” vermocht, sein Publikum mit seiner Musik und seinen Texten „lustige, bewegende aber auch nachdenkliche Geschichten nahezubringen”. Der Schlager habe durch ihn eine „neue Qualität” erhalten.

„Ich habe mir viel mehr erfüllt, als ich je geträumt habe. Und habe immer noch mehr Träume, als ich von mir je erfüllt bekommen kann.” (Udo Jürgens 2009 in einem dpa-Interview)

1000 Songs, viele Hits

Jürgens komponierte in einer länger als 50 Jahre dauernden Erfolgskarriere etwa 1000 Songs, von denen viele Hits wurden. Er spielte mehr als 50 Alben ein und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger. Seine Live-Auftritte mit Liedern wie „Je t’aime„, „Es wird Nacht, Señorita„, „Aber bitte mit Sahne„, „Ein ehrenwertes Haus„, „Ich war noch niemals in New York” oder „Immer wieder geht die Sonne auf” wurden zum Kult.

Mit der deutschen Fußball-Nationalelf nahm er 1978 den WM-Titel „Buenos dias, Argentina” auf. Unvergessen auch sein Hit „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an„. Bei Tourneen durch Europa erlebten Millionen Fans Jürgens auf der Bühne. Legendär wurden seine Zugaben im weißen Bademantel.

1966 kam der internationale Durchbruch

Mit „Merci, Chérie” gewann Jürgens 1966 den Grand Prix. Das war sein Durchbruch.

Schon als Junge spielte der 1934 in Klagenfurt geborene Sohn der großbürgerlichen deutsch-österreichischen Familie Bockelmann Mundharmonika und Akkordeon, bald auch Klavier. Krieg und Nachkriegszeit seien für ihn bedrückende Jahre gewesen, berichtete Jürgens 2004 in seinem Buch „Der Mann mit dem Fagott”. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1966 bei seiner dritten Teilnahme am Eurovision Song Contest mit dem Lied „Merci Chérie„.

Jürgens zeigte als „Chansonnier deutscher Sprache”, dass Popmusik und geistiger Anspruch keine Gegensätze sein müssen. Dafür verlieh ihm die Republik Österreich 1985 den Berufstitel „Professor”, obwohl Jürgens längst in die steuerfreundliche Schweiz umgezogen war, wo der Millionär zuletzt in einer Villa am Zürichsee wohnte. Seit 2007 war er auch Schweizer Staatsbürger. Das letzte Konzert hatte Jürgens vor zwei Wochen in Zürich gegeben, das nächste Konzert sollte im Februar in Rostock stattfinden.