In der ehemaligen Kaiserstadt gibt es keine Spur von Stress oder Hektik. Die österreichische Metropole befindet sich in der Hälfte von Europa, die funktioniert – seit Jahrzehnten. Gemütlich, ruhig, ruft schöne Friedenszeiten ins Gedächtnis.
Auch an dem Tag gab es viele Besucher in der Albertina (Foto rechts). Wiens international anerkanntes Kunstmuseum bietet ja immer etwas Interessantes. Derzeit, bis zum 17. Jänner, ist eine Fotoausstellung aus dem eigenen Bestand der Einrichtung unter dem Titel Black and White, aus der Zeit 1850-1988 zu sehen.
Bilder aus etwa 150 Jahren. Portraits von Heinrich Kühn aus der Jahrhundertwende. Traurige und hübsche Aufnahmen über Trude Fleischmann. 1925-26 fotografierte Lucia Moholy ein Bauhaus-Gebäude. Die geometrischen Formen der Stahlbauten der 1930-er Jahre sind bis heute schön. Es gibt Straßenbilder aus Californien, Fotoaufnahmen von Brassai und Henri Cartier-Bresson sowie New-York-Aufnahmen von William Klein aus dem Jahr 1950, aber auch schöne und zarte Fotos über Hände von Frauen in Johannesburg, aufgenommen von David Goldblatt. Seiichi Furuya fotografierte seine Frau in Wien Tag für Tag, bis sie lebte. Danach führte er Gespräche mit den mehreren Tausend Bildern. Von diesen gibt es bei der Schau nur zwei Stück zu sehen. Sie war eine traurige Frau. Ganz im Gegenteil Sophia Loren, deren Blick in ihrer Glanzzeit verewigt wurde.
Die Geschichte von 150 Jahren. Friedensjahre und Dramatik, Krisen, Kriege und Alltag. Vielerlei Epochen, vielerlei Orte – eins ist gemeinsam, alle Aufnahmen sind schwarz-weiß und das ist immer noch der Renner.
Unschlagbar sind die Chagall-Bilder aus der Sammlung von Herbert und Rita Batliner. Den Bestand der Ausstellung Von Monet bis Picasso ist eine Gabe an das Museum aus dem Jahr 2007. Die Ausstellungsräume der Albertina sind voll mit Werken von den Impressionisten bis den zeitgenössischen Künstlern. Monet, Renoir, Modigliani, Giacometti, Kandinsky – unmöglich wäre alle aufzuzählen.
Auch auf der Straße werden wir von Stille empfangen, wie im Museum, Ruhe und warmherzige Fußgänger, Touristen leben ihr ruhiges Leben.

In der U-Bahn, die viele, saubere und bequeme Züge hat, lesen die Fahrgäste oder drücken eifrig an den Smartphones, hören Musik. Eine Mutter mit ihren zwei Töchtern steigt ein, sie sind etwa vier-fünf Jahre alt. Sie essen grade etwas, die kleine ist keifisch, müde, sie würde sich gern hinsetzen. Eine elegante Dame merkt das, sie steht auf und bietet ihren Platz an. Sie lächelt dabei. Wie man eben ein süßes Kind anlächelt. Das kleine Mädchen ist schwarzharig, schwarzhäutig. Nun wird auch ihre Schwester keifisch, eine blonde Frau bietet ihr ihren Platz. Ein anderer Fahrgast spricht auch die Mutter an, aber sie will sich nicht hinsetzen. All die Fahrgäste lächelten die Kinder an. Wie überall in der Welt, jegliche Kinder jeglicher Familie. Sie schmunzelten und dachten: So ist es doch in Ordnung, oder?
Hier muss man nicht lange erklären, was die Plakate in der U-Bahn bedeuten. Auf dem Foto sitzen vier Männer vier unterschiedlicher Welten nebeneinander, und steht ein einziger Satz: „Der Bauch sagt: Respekt ist Kopfsache”, das heißt, Dein Herz sagt: du sollst andere respektieren! Klar, man könnte es auch folgends übersetzen: Du musst in deinem Kopf wissen, du sollst andere respektieren!
Am Abend sieht man in allen Kanälen des Fernsehens erbärmliche, müde, tummelnde und beängstigte Menschen und in den Kommentaren hört man immer wieder: Ungarn, … Ungarn, … Ungarn…
Unser Artikel konnte mit Hilfe von Compress, dem Verbindungsbüro der Stadt Wien entstehen. Vielen Dank dafür!

