Ungarn trat 1994 der Mitte der 70er Jahre gegründeten zivilen Vereinigung bei, um ihre schönsten, gepflegtesten, kultiviertesten, naturverbundensten Kommunen vorzustellen. Alles geschieht freiwillig. Der Aufruf erfolgt, Städte und Dörfer melden sich zum Mitmachen und tun damit sich selber einen Gefallen, denn jeder Einwohner der zum Contest angetretenen Kommune will zum Komfort des eigenen Umfeldes beitragen.
Den Schwerpunkt des diesjährigen Wettbewerbs bilden der Haupt-, d.h. Marktplatz und die Hauptstraße der Stadt, die Ortsmitte des Dorfes: Ausstattung mit Blumen und Pflanzen, die Harmonie mit der gebauten Umwelt, die dort befindlichen Behörden, Handels- und Gastgewerbeeinheiten inbegriffen. Die Jurymitglieder lassen sich nicht nur von Farben und Arrangements in den Grünflächen beeindrucken, sondern benoten auch die Denkmalpflege, die Bemühungen von Kommunalverwaltung und Einwohnern bei der Gestaltung ihrer Umgebung, die Nutzung erneuerbarer Energien, Abfallwiederverwertung u.a.
Seit Ungarn der europäischen Blumen-Initiative beigetreten ist, holten sich seine Städte und Dörfer 7 Gold-, 17 Silber- und 10 Bronze- sowie 10 Europamedaillen. An dieser Stelle sei gestattet, nur die goldenen ungarischen Gemeinwesen aufzuzählen, 5 Städte und zwei Dörfer: Siófok (1997), Kaposvár (2004), Nagyatád (2006), Eger (2007) und Balatonfüred (2011) sowie Géderlak (2002) und Lipót (2010 – siehe dazu den Erlebnisbericht, Lipot, das Blumendorf vom 25. November 2010).
Negativ überrascht musste ich erfahren, dass NUR 12 europäische Länder an Entente Florale Europe teilnehmen, von den Nachbarn Ungarns Österreich, Kroatien und Slowenien, außerdem Belgien, Deutschland, Tschechien, Irland, Italien, die Niederlande und Großbritannien. Weshalb das so ist, konnte mir auch die Schirmherrin der ungarischen Initiative Katalin Kuncze-Fellegi nicht erklären, es müsse an der Freiwilligkeit liegen, an den jeweiligen Kommunalpolitikern, die sich gerade mit z.B. Wahlen beschäftigen müssen und Blumen vernachlässigen. (Frankreich, das Mitbegründer der Initiative war, hat für 2012 kein Dorf und keine Stadt in den Bluemnwettbewerb delegiert.)
Was die diesjährigen ungarischen Wettbewerbsteilnehmer betrifft, so sagte Lövő-Bürgermeister János Balics bescheiden, dass seine Gemeinde nicht mit aufsehenerregender Geschichte und Baudenkmälern, sondern z.B. dem Grünen Kindergarten, der Ökoschule, den Sport- und Kulturprogrammen, Traditionspflege und dem Dorfverein Für Lövő (Lövőért munkálkodó Faluépitő Egyesület) punkten will.
Százhalombatta (Stadtrang seit dem 1. April 1970) startet, so Bürgermeister Dr. Mihály Vezér, als moderne Industriestadt und Stadt der Grünanlagen (30 Parks), mit einer 4000-jährigen Vergangenheit, internationalen Sportevents (seit 1997 Nationale Sportstadt), dem völkerverbindenden Internationalen Folklorefestival Summerfest (in diesem Jahr 12.-21. August) in den Contest.
Auch wer nicht gewinnt, darf und sollte sich als Gewinner fühlen. Er, die Gemeinschaft hat viel für sich selbst, ihr Lebensgefühl und Harmonie getan.
So wurde der nächste nationale Wettbewerb gerade ausgeschrieben: vom 15. April bis 15. Juni mögen sich alle ungarischen Städte und Gemeinden, die sich als Blumenstadt, Blumendorf identifizieren, anmelden, unter www.viragosmagyarorszag.hu

