Das ist ein Credo der Tourismusmanager, bestimmt nicht nur in Ungarn, und das ist statistisch belegt: über 33 % der Ausgaben jedes Touristen entfallen auf kulinarische Erlebnisse, die Gastronomie rückt in den Fokus der Reise. Früher galt das Gastgewerbe nur als Ergänzung des Tourismus, heute ist es Welttrend. Weshalb sollte man da nicht zu den Gastro-Destinationen gehören? Also wird gezielt darauf gebaut. So kürten die ungarischen Tourismusmanager das Jahr 2016 zum Jahr der Gastro-Erlebnisse (siehe Logo).
Das geschah am Fetten Donnerstag, dem Tag nach Aschermittwoch, wenn, im Brauchtum verwurzelt, die ’Essensreste’ aus den Wochen des wilden Treibens verzehrt werden, gegessen werden dürfen. Über 600 Gaststätten und Restaurants nutzten (übrigens zum elftenmal) die Gunst der Stunde, d.h. des Tages und boten zahlreiche Gerichte nebst Getränken, die alkoholischen ausgenommen, mit 50% Ermäßigung an. Und wie sich herumgesprochen hatte, wurde der Fette Donnerstag (ungarisch torkos csütörtök) sogar verlängert. Tja, ob das nun ganz den strengen Regeln der Fastenzeit entspricht, möge angezweifelt werden, verzeilich sollte es sein, weil Fastnachtsumzüge auch noch später stattfinden, so in der Schweiz.

Köche und Konditoren bleiben allerdings nicht einfach den Traditonen treu, sondern überdenken ihre Rezepte. Da gibt es z.B. das ’überdachte’ Paprikahuhn (die Hühnchenbrustscheiben auf dem Photo sind es) und als Dessert den leckeren Nudelauflauf „Vargabéles” im Schälchen, immer reichlich rohes frisches Gemüse und auch die Somlauer Nockerln wurden als leicht-schaumige Süßspeise im Becher überdacht, neu konzipiert.
Im Kalenderjahr der Gastro-Erlebnisse haben Saisonalität und Events Priorität. Die ungarischen Gastronomiebetriebe werden so das Europa-Finale des Kochwettbewerbs Bocuse d’Or im Mai in Ungarn nutzen und ihre Speisekarten in den Fokus rücken. (In Ungarn gibt es seit 2014 vier Restaurants mit Michelin-Sternen!) Schon vorher, Ende April, soll ungarnweit das Picknick mit in der Natur zubereitbaren Gerichten abgehalten werden. An der Website des Gastro-Jahres wird noch gearbeitet, sie soll ab März erreichbar sein.
Wie man Esskultur mit Kultur im allgemeinen verflechten kann, das lebt und beweist das Ungarische Handels- und Gastgewerbemuseum (MKVM) im 3. Budapester Gemeindebezirk – wir berichteten und berichten immer wieder nicht nur von Ausstellungen und Programmen im Haus, wo der Schriftsteller, Gourmet und Budapestschwärmer Gyula Krudy (1878–1933) seine drei letzten Lebensjahre verbrachte; Krudy-Zimmer im Museum).
PS: Zum elftenmal wurden auch die Qualitätspreise des ungarischen Tourismus verliehen, an insgesamt 22 Dienstleister, d.h. 16 Hotels und 6 Gastronomiebetriebe. Man achte auf das große Q auf der Tafel oder Plakette am Eingang bzw. im Haus, denn es bürgt für Qualität.

