Spiegel online titelt: Auschwitz-Prozess: Der alte Mann und der Massenmord. „Aus rechtlichen Gründen beschränkte die Staatsanwalt ihre Anklage auf die sogenannte Ungarn-Aktion im Sommer 1944. Damals trafen in Auschwitz-Birkenau mindestens 137 Transporte aus Ungarn ein. Von den rund 425 000 Menschen in den Zügen ermordete die SS mindestens300 000 inden Gaskammern. Insgesamt starben in dem Vernichtungslager mindestens 1,1 Millionen Juden sowie Zehntausende nichtjüdische Polen, Russen, Sinti und Roma.
Oskar Gröning hat sich nie versteckt oder aus seiner Vergangenheit einen Hehl gemacht. Im Gegenteil: Er war einer der wenigen, die sich in Interviews offen zu seiner moralischen Schuld bekannt haben. Er schrieb seine Erinnerungen an die Kriegsjahre nieder, um Holocaust-Leugnern entgegenzutreten. Aber er tat sich eben auch schwer mit der Einsicht, möglicherweise auch juristische Verantwortung zu tragen. Er will kein Gehilfe der Massenmörder gewesen sein”, heißt es in Spiegel.online.
„Ich fühle mich schuldig gegenüber dem Volk der Juden, in einer Truppe gewesen zu sein, die diese Verbrechen begangen hat, ohne dass ich dabei Täter war”, sagte Gröning 2005 dem Spiegel. „Das jüdische Volk bitte ich um Verzeihung. Und den Herrgott bitte ich um Vergebung.” Soweit aus dem Artikel von Jörg Diel in Spiegel online.
Bild titelt: Auschwitz-Überlebende: Seit ich den Nazis verziehen habe, schlafe ich wieder ruhig. Das sagt die heute 81-jährige Eva Kor, als Kind aus Rumänien verschleppt, die zu den wenigen Überlebenden zählt und heute in den USA lebt. Das ausführliche Interview mit der Holocaust-Überlebenden bringt Bild am Tag der Eröffnung des Prozesses gegen den ’Buchhalter’ von Auschwitz.
Aus der Süddeutschen Zeitung/sz.de vom 17. April: „Er passte (außerdem) auf, dass das Gepäck und die Kleidung vom Bahnhof verschwanden, während mindestens 300 000 Menschen vergast wurden. Er hat keine Gaskammern oder Krematorien bedient. Er zählte, notierte. Zloty, Gulden, Lire. Er war ’der Buchhalter von Auschwitz’, wie Spiegel online feststellt. Ein Buchhalter von Auschwitz. Einer dieser willfährigen Gesellen, die den Genozid möglich machten. Und der Titel des Beitrages von Peter Burghardt: Letzter Blick in die Hölle.
Und ebenfalls dort: Aus aller Welt kommen jüdische Überlebende zum Prozess
Nach dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz geht es jetzt also um Oskar Gröning, geboren1921 inNienburg, der Sparkassenbeamte, der zum Mordgehilfen wurde. Gröning hatte sich zur Waffen-SS gemeldet. Er war von September 1942 bis Oktober1944 in Auschwitz-Birkenau dafür zuständig, die Wertsachen von 425 000 Juden zu registrieren, die im Zuge der ’Ungarn-Aktion’ in 137 Eisenbahntransporten herbeigeschafft wurden. ’Häftlingsgeldverwahrung’ nannte sich das. Soweit aus sz.de.
Focus online titelt: Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen. Auschwitz-Buchhalter will in Prozess aussagen.
Und aus dem Stern erfährt man u.a., warum dieser Prozess erst jetzt, so spät verhandelt wird: „Die Jusitiz verlangt seit 2011 nicht mehr den Nachweis einer direkten Beteiligung an den Morden in den Vernichtungslagern. Auch die Tätigkeit eines Aufsehers, sogar eines Kochs kann seitdem für die Annahme von Beihilfe zum Mord ausreichend sein. Eine unmittelbare Beteiligung an einem konkreten Tötungsdelikt muss nicht mehr nachgewiesen werden. (stern.de vom 21. April)
In der LZ online kommt die ungarische Holocaust-Überlebende Éva Pusztai-Fahidi zu Wort, die gefragt, was sie von Gröning erwarte, antwortete: „Besser spät als nie”, und dass er Verantwortung übernehme. … „Er soll einsehen, was es bedeutet hat, dass er dort war. Wenn er nichts auf der Welt getan hätte, nur gerade dort gestanden wäre an der Rampe, als meine Familie angekommen ist. Ich habe 49 Namen, die ich aufzählen kann, 49 Namen meiner Großfamilie…Was soll ich von ihm hören wollen?…Kann er meinen 49 Familienmitgliedern das Leben wieder zurückgeben? Ich bin sehr gespannt, was er mir sagen kann. Wird er mir sagen, dass er nichts getan hat. Er ist einfach nur dort gestanden. Das kann ich ihnen als Antwort geben”, soweit Eva Pusztai-Fahidi zu Beginn des NS-Prozesses in Lüneburg.

