Wie eine Nachfrage des Verfassers dieser Zeilen bei Sólyom selbst ergab, ist man dennoch voll Zuversicht, dass sich die finanzielle Lage bessern wird, dass die über alles entscheidende sogenannte AOC-Genehmigung von der Nationalen Verkehrsbehörde bald vorliegt. Und auch die Sólyom-Mitarbeiter halten weiter an ihrer Fluglinie fest und erscheinen auch ohne Gehalt zur Arbeit.
Dennoch ist es bemerkenswert, wie die ungarischen Medien vorschnell von einer „Sólyom-Pleite“ berichteten. Für den Verfasser dieser Zeilen schwangen dabei ein leichter hämischer Unterton und die Schadenfreude der besserwisserischen Beobachter mit, getreu dem Motto: „Wir haben euch ja euren Untergang von Anfang an vorausgesagt.“ Es scheint, als ob geradezu auf eine solche Nachricht gewartet, ja gelauert wurde, um Sólyom medial schon einmal zu Grabe zu tragen. Seit der Malév-Pleite im Februar 2012 wurden bereits zwei mehr oder weniger ernst gemeinte Projekte („Hungarian World Airways“ und „AirPaprika“) ebenso beschossen und von Beginn an mit Missgunst betrachtet – aber warum nur? Wem nutzt diese negative Einstellung? Wollen die Medien und die Bevölkerung in der Post-Malév-Ära allen Ernstes gar keiner ungarischen Fluglinie mehr eine Chance geben? Oder liegt es daran, dass man zuvor bereits auf zu viele verheißungsvoll klingende Unternehmens-Projekte (auch in anderen Wirtschaftssektoren), die sich dann als Blindgänger entpuppten, hereingefallen war?
Negative Stimmungsmache
Speziell bei Sólyom wurde sehr viel Kritisches in die Welt gesetzt: Es wurde gemeldet, wie schwer für Ausländer die Aussprache des Namens der Fluglinie falle; das Genehmigungsverfahren wurde genauestens beäugt und nahezu minutiös über Versäumnisse berichtet; es wurde auf die Geheimdienstvergangenheit von Sólyom-Vorstand József Vágó hingewiesen, außerdem habe er als ehemaliger Abteilungsdirektor bei der Nationalen Verkehrsbehörde noch immer beste Verbindungen zu dieser und würde bei Genehmigungsverfahren bestimmt bevorzugt (was sich angesichts der aktuellen Lage als völlig sinnlose Mutmaßung entpuppte); es wurde mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass die Fluggesellschaft auf gebrauchte Maschinen setzt (was aber in der Flugbranche üblich ist, selbst die Premium-Fluglinien tun dies, sie hübschen nur das Interieur der Flugzeuge auf, um dies bestmöglich zu kaschieren); es wurde besonders oft berichtet, dass man „geheime“ Investoren ins Boot holen wolle, aber es noch zu keinem festen Vertrag gekommen sei (an sich berechtigt, interessanter wären aber eher die Gründe gewesen) und noch mehr. Wer besonders kritisch formulieren will, könnte die Medien getrost als angriffslustige Saboteure bezeichnen, die bewusst Stimmung gegen Sólyom machen.
Der Verfasser dieser Zeilen findet die Tatsache, dass der ungarische Flugmarkt unter Umständen wieder um einen Anbieter ärmer werden könnte, im Gegensatz zu den ungarischen Medien äußerst schade, denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Wie lange muss man noch auf eine mittelwertige Alternative zu Premium-Fluglinien wie Lufthansa auf der einen, und Billigfliegern wie Ryan Air auf der anderen Seite warten? Es geht dabei vor allem um die Fluganbindung an den deutschsprachigen Raum – wann kommt etwa endlich eine kostenfreundlichere Direktverbindung nach Frankfurt/Main, die Sólyom laut Ankündigung bieten will? Aktuell hat man dort nur die Auswahl zwischen den Premium-Fliegern wie etwa Lufthansa (im Schnitt 75.000 Ft für ein Hin- und Rückflugticket), Air Canada (kein Preis ermittelbar) oder United Airlines (im Schnitt 87.000 Ft). Der goldene Mittelweg zwischen Luxus und Holzkiste ist dabei derjenige, der nach Meinung des Autors anzuvisieren ist.
Die ungarischen Medien und das Aas
Ein Falke (ungarisch „Sólyom“), der nicht abhebt, wird früher oder später verhungern. Dieses Naturgesetz scheint auch auf dem ungarischen Flugmarkt zu gelten. Ein am Boden liegender toter Falke ist nur noch für die Aasfresser interessant – doch hat in der Natur ein Aasfresser die Fähigkeit, den Niedergang des Falken zu beeinflussen, gar vorzubereiten? Nicht alle Medien sind Aasfresser, das wäre zu einfach und kurzsichtig formuliert. Aber bei einer leider durchaus möglichen Sólyom-Pleite wären alle sofort da, um schadenfreudig darüber zu berichten. Und um sich am Ende an den Resten laben zu können, kann man auch schon einmal versuchen, dem Falken bewusst die Lust am Fliegen zu vermiesen.

