Der Feiertag beginnt traditionell mit dem Hissen der Nationalflagge vor dem Parlament, der Ansprache des Staatspräsidenten und setzt sich mit unzähligen Programmen, einem echten Volksfest bis abends um halb zehn fort, der würdige Abschluss ist das halbstündige Feuerwerk ab neun Uhr. An dieser Stelle seien nur einige wenige Programme aufgezählt: Tag der Offenen Tür im Parlament (10-18 Uhr, Eintritt frei), Fest des Handwerks in der Budaer Burg (10-20 Uhr), Ernteumzug im Burgviertel und Brotweihe am Reiterstandbild Sankt Stephans vor der Fischerbastei (14.30 Uhr), Heilige Messe und Prozession mit der Heiligen Rechten, der mumifizierten rechten Hand Stephan des Heiligen in der Basilika gleichen Namens und den umliegenden Straßen (17 Uhr).
Was das Kulinarische betrifft sollten sich die Feiernden und Gourmets am Budaer Brückenkopf der Kettenbrücke, in der dort beginnenden Straße der ’Ungarischen Leckerbissen’ (die nur sehr ungenaue Übersetzung von Magyar Ízek Utcája in der Lánchíd utca) und vor dem Burggartenbasar (Várkert Bazár) einfinden. Auf der Bühne vor dem Basar wird um 10 Uhr die Ungarntorte 2015 päsentiert, an-und aufgeschnitten. Zum achten Mal schrieb die Bäckerinnung den Wettbewerb für die Torte aus. 39 Torten wurden angemeldet, anonym wurden sie auf Ästhetik, Zutaten geprüft. Als Kriterien galt: nur ungarische Zutaten, keine Aromen, keine Geschmacksverstärker. Der Sieger: die Marillen-Karamelltorte mit einem Schuss Pálinka Pannonhalma (siehe Photo).
Bei der Siegerehrung betonte der Vorsitzende der Ungarischen Konditorinnung Ferenc Horváth, dass diese Kreation des jungen Konditors Gellért Szó aus Salgótarján getrost auch von Kindern verzehrt werden kann, weil sich der Obstler im Marillengelee bei der Zubereitung verflüchtigt, nur der besondere exquisite Geschmack übrig bleibt. Seit 2012 wird zeitgleich mit der Ungarn-Torte des Jahres auch die ’Zuckerfreie Torte des Jahres’ gekürt. Den Wettbewerb schreiben die Konditorinnung mit der Anti-Diabetes-Stiftung ’Ein bisschen aufgepasst’ aus. Neben Äußerem und Geschmack muss der Kohlehydrategehalt möglichst unter10 gliegen. Die moderne Torte mit traditionellem Geschmack, die 2015 als die Beste befunden wurde, ist die Barackos buboréktorta, ebenfalls eine Marillentorte mit geperltem Schaum, geschaffen von Orsolya Vaslóczki im Budapester Konditoreibetrieb Horváth (der Name fiel schon im Zusammenhang mit der Ehrung).

Eine Tortenschnitte enthält 11.8 gKohlehydrate, 278 Kalorien (siehe Photo). Als dritte im Bunde sei die jüngste der gekürten Torten erwähnt; seit dem Vorjahr gibt es auch eine Honvédség-Armee-Torte des Jahres: die Tessedik Honig-Birnentorte wurde als beste befunden. Auch deren Zutaten stammen ausschließlich aus ungarischem Anbau und wegen des Honigs erhielt sie den Namen Tessedik, eine Hommage an den evangelischen Pfarrer, Pädagogen und Landwirtschafsforscher Sámuel Tessedik (1742-1820) und dessen Verdienste bei der Naturalisierung und dem erfolgreichen Anbau von Akazien, auf deren Honig die Ungarn, wie bekannt, sehr stolz sind (siehe Photo).
Die Torten werden nach der Verkostung am 20. August in vielen Konditoreien landesweit das Angebot erweitern.
Der Magenschluss dieses feiertäglichen Beitrages muss nach den süßen Versuchungen das schon erwähnte Brot sein. József Septe, Vorsitzender der Ungarischen Bäckerinnung, gab den Sieger bekannt: ein Dinkelbrot aus der Bäckerei Pedró in Sokorópátka. Es setzte sich unter 45 Bewerbern durch, wird aus drei Weizenmehlsorten und Dinkel, Wasser, Salz, Kartoffelflocken, Gluten und Sauerteig gebacken, schmeckt lecker und hat eine feste, krosse Kruste. Ein Brotlaib ist ein Pfund oder aber zwei Pfund schwer.
Guten Appetit!

