Mir kommen Zweifel auf. Wie viele Kriege mit wie vielen Millionen Toten wurden seither vom Zaun gebrochen? Ich weiß nicht, wie viele es sind, weiß aber, dass es viele waren und sind, aus machtpolitischen, ethnischen, religiösen, wirtschaftlichen u.a. Gründen.

Die wenigen Überlebenden, alle um die 90, halten die Erinnerung wach. Wichtig ist es, diese an all jene und die immer Jüngeren zu vermitteln, die über ihre ’Gnade der späten Geburt’ froh, glücklich sein dürfen.

Nicht vergessen. Dazu trägt auch die für den 9. Mai in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen geplante Buchpräsentation bei. An dieser Stelle sei aus der Einladung zitiert:

Wendy Holden „Born Survivors. Three young mothers and their extraordinary story of courage, defiance and survival”

Wendy Holden, eine bekannte englische Autorin und Biografin, recherchierte die Geschichte von den drei 1945 im KZ Mauthausen befreiten Säuglingen, die im April 1945 im Lager bzw. auf den Transporten ins KZ Mauthausen geboren wurden. Ihre Recherchen werden im Beisein der drei Überlebenden Hana Berger-Moran, Eva Clarke und Mark Olsky am Vorabend der Befreiungsfeierlichkeiten in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen präsentiert.

Unter den Millionen Holocaustopfern, die im Jahre 1944 nach Auschwitz II / Birkenau verschickt wurden, passierten Priska, Rachel und Anka die berüchtigtenTore des Konzentrationslagers jeweils mit einem Geheimnis. Sie waren einander fremd, seit kurzem schwanger und sahen einem ungewissen Schicksal ohne ihre Ehemänner entgegen. Allein und verängstigt hatten diese jungen Frauen bereits so viele geliebte Personen an die Nazis verloren, waren aber fest entschlossen, an dem festzuhalten, was ihnen noch geblieben war: an ihrem Leben und am Leben ihrer ungeborenen Babys.

„Born Survivors“ folgt der unglaublichen Reise dieser Frauen – zuerst nach Birkenau, wo alle drei den mörderischen Untersuchungen Dr. Josef Mengeles ausgesetzt waren; dann in ein deutsches Arbeitslager, wo sie sich halb verhungert fast zu Tode schuften mussten, aber dennoch ihre Schwangerschaft verbergen konnten. Schließlich, als die Alliierten immer näher kamen, ihre höllische 17-tägige Bahnfahrt ins Todeslager Mauthausen, während der ein Baby fast gestorben wäre und ein zweites geboren wurde. Hunderte Häftlinge starben auf der Reise, aber die Biographin Wendy Holden beschreibt den Mut und die Freundlichkeit unbekannter Fremder, die die Überlebenden aus dem Zug retteten. Dass bald nach der Geburt des dritten Babys den Gaskammern in Mauthausen das Zyklon-B ausging, ist nur eines von mehreren Wundern, die den Babys und ihren Müttern das Leben retteten.

Fünfundsechzig Jahre später trafen sich die drei ‘Wunderbabys’ anlässlich der Jahresfeier der Befreiung des KZ-Lagers das erste Mal in Mauthausen. Vereint durch ihre bemerkenswerten Erfahrungen, fühlen sie sich jetzt als „Geschwister im Herzen“. Zur Feier ihres siebzigsten Geburtstags und der Siebzigjahrfeier des Kriegsendes erzählt Holden die Erlebnisse der Drei das erste Mal gemeinsam in dem Buch „Born Survivors“.

„Born Survivors“ ist nicht nur die atemberaubende Schilderung des Kampfes dreier Mütter und ihrer Neugeborenen ums Überleben in der Nazizeit, sondern auch ein lebensbejahendes Loblied auf unsere Fähigkeit, inmitten unvorstellbarer Grausamkeit fürsorglich und liebevoll zu handeln.

Soweit die Einladung  zur Buchpräsentation.

In diesem Zusammenhang fällt mir der Satz einer Holocaust-Überlebenden ein. (Es sei mir vergeben, dass ich sie nicht namentlich und präzise zitiere. An diesen Tagen und Wochen im Frühjahr 2015 bringen die Medien viele Interviews mit Holocaust-Überlebenden. Als ich den gleich folgenden Satz hörte, dachte ich nicht daran, dass er mir beim Schreiben dieser Zeilen einfallen würde. Er lautet sinngemäß: Überleben war Zufall, war Glück. Und immer auch Menschen, die selbstlos geholfen haben, sei hinzugefügt.

Das Leben der drei ’Wunderbabys’, der ’Geschwister im Herzen’ Eva Clarke, Hana Berger-Moran und Mark Olsky sollte bald in möglichst viele Sprachen übertragen werden.