Nur einen Katzensprung nördlich von Budapest entfernt liegt das malerische Donauknie; bis nach Szentendre sind es 25 km, bis nach Esztergom ungefähr 60 km. Dazwischen liegen u.a. Vác und Visegrád.

Und alle sind auf dem Wasser, natürlich auf der Donau bequem und schnell erreichbar, ja noch rascher und bequemer als in den Vorjahren. Warum? Weil die Schifffahrtsgesellschaft MAHART passnave ihre schwimmende Flotte pünktlich zum Saisonbeginn überholt und erweitert hat: fahrplanmäßig dreimal pro Tag nach Szentendre, einmal täglich nach Vác und Visegrád und am raschesten, nämlich ’geflogen’ mit dem Tragflügelboot von Dienstag bis Sonntag nach Vác in 40 Minuten, nach Visegrád in 60 Minuten und nach Esztergom in 90 Minuten (Abfahrt am Vormittag um 10 Uhr ab der zentralen Schiffsanlegestelle am Vigadó tér in Pest und am Nachmittag bzw. Abend wieder zurück.

Die Tragflügelboote, die zwar alle das denkwürdige Alter von über 50 Jahren erreicht haben, wurden generalrenoviert, flitzen mit einer Stundengeschwindigkeit von 65 km übers Wasser und tragen ihren Flügeln und ihrer Geschwindigkeit entsprechend Vogelnamen, Sirály (Möwe), Solyom (Falke), Vöcsök (Seetaucher und Bíbic (Kiebitz).

Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit seien an dieser Stelle ein paar Programmtipps für den ’Abstecher’ von Budapest aus ans Donauknie bzw. für einen mehrtägigen Aufenthalt gemacht, denn man/frau wird sich auch an mehreren Tagen nicht langweilen, Geschichte, Kultur und Kunst, ein Spaziergang bzw. Wandern u.a. sportliche Betätigungen in den Visegráder Bergen und abschließend kulinarische Spezialitäten genießen, sollten zum Programm gehören.

Wer nur wenig Zeit eingeplant hat, der muss natürlich nach Szentendre ins  schmucke Barockstädtchen am rechten Donauufer, das schon seit elf Jahren  mit dem bewährten Slogan wirbt: In Szentendre ist immer etwas los. Szentendre, das Tor des Donaunknies wirkt wie eine mediterrane Stadt. Nachdem die Türken Ende des 17. Jahrhunderts aus Ungarn vertrieben wurden, ließen sich hier, eben auf der Flucht vor den Türken, aus südlicheren Regionen Serben, Griechen u.a. Volksgruppen nieder. Ihre Kirchen prägen auch heute das Weichbild der Stadt. Unter den kulturellen Programmen dieses Frühjahrs und Sommers seien nur die Aufführungen auf dem historischen Marktplatz (Fő tér) erwähnt (7. Juli – 19. August), wenn auch der Barbier von Sevilla aufgeführt wird. Und da es um die Einwohner und Kirchen ging, sei auch die Serbische Kirchweih mit Kirmes (18.-20. August) genannt. Seit dem Vorjahr kann der Besucher an thematischen Spaziergängen teilnehmen, so etwa unter dem Motto ’Verwirklichte Träume’ oder ’Kuriositäten in der Stadt’. Der neue Farbfleckt auf der touristischen Karte Szentendres ist die Wasserbühne mit Terrasse auf der Donau.

Am gegenüberliegenden Donauufer, also dem linken, liegt Vác, der Bischofssitz, die Stadt, die sich ’das Herz des Donauknies’ nennt (siehe dazu z.B. unseren Beitrag „Vác, die Stadt der Superlative” vom 1. Dezember 2013).  Die Ausstellung „Memento mori” wurde seither neu gestaltet, im Pannonia Haus wurde die Gußeisen-Ausstellung mit 1000 Exponaten eröffnet. Von Mai bis Ende September wird das Festival des Handwerks und Kunsthandwerks organisiert, im Juli (6.-9.) das 7. Festival der Gregorianischen Musik abgehalten, Anfang September (3. des Monats) wird Lecsó (sprich Letscho), das ungarische Ratattouille gekocht und verkostet, Ars Sacra erklingt ebenfalls im September (15.-24.) und auch im Dezember ist Vác eine Reise wert (26. November – 31. Dezember Adventsmarkt, wobei am 30. Dezember der Wettbewerb im Glühweinkochen angesagt ist.

Das nächste Reiseziel sei Visegrád, die Stadt, das Städtchen, mit nur 1800 Einwohnern, die allerdings dank ihrer historischen Bedeutung die Stadt – Zitat – des lebendigen Mittelalters und der Abenteuer ist. Mittelalter und Renaissance: Salomonturm und Ruinen des Königspalastes Matthias Corvinus (siehe dazu z.B. unseren Beitrag „30. Internationale Burgspiele” vom 8. Juli 2014). Aber Abenteuer?  Dafür sorgt der Mini-Gletscher in der Skisaison, die Bob- und Canopy-Bahn und die beiden Abenteuerparks. Wandern ist in den Bergen angesagt. Ohne besondere Anstrengung liegt einem das Panorama des Donauknies zu Füßen. Der Spartacus-Pfad wurde erneuert, vom Prédikálószék, dem Predigerstuhl, aus schweift der Blick über Donau und Umgebung. Aus der Natur stammen die Erzeugnisse, die die Visegráder ihren Besuchern anbieten: Forellen, Waldhonig und Pilze. Unter den Ortschaften am Donauknie kann Visegrád die Gäste in den meisten 4-Sterne-Hotels unterbringen. Die 33. Internationalen Burg-Palastspiele finden in diesem Sommer vom 7. bis 9. Juli statt.

Ohne Esztergom wäre der heutige Spaziergang am Donauknie undenkbar. Esztergom, am Westeingang des Donautales, des Donauknies, gelegen, ist die Wiege der ungarischen Staatlichkeit. Schon die ins Karpatenbecken einziehenden Magyaren ließen sich hier im 9. Jahrhundert nieder. Von Esztergom aus regierten die ungarischen Könige mehr als 250 Jahre lang, Esztergom ist der Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche Ungarns.  Davon zeigen die hoch auf dem Burgberg thronende Basilika, wo aus der Renaissance-Zeit die besonders wertvolle Bakócz-Kapelle erhalten geblieben ist. Vom Burgberg aus kann man den Blick bis weit über die Donau in die Slowakei schweifen lassen. Die Verbindung wurde durch den Wiederaufbau der Maria Valeria Brücke 2001 gefestigt. Das Muss jedes Touristen sind die Besichtigung der Schatzkammer in der Basilika, aber auch der neuen Ausstellung im Christlichen Museum und der ebenfalls neu gestalteten im Donau-Museum. Unter den Programmen im bevorstehenden Sommer seien die Historischen Tage  (18.-20. Aaugust/ der 20. August ist der Tag des Staatsgründers Sankt Stephan) hervorgehoben.