Der Vorsitzende erstgenannten Verbandes István Erdélyi und der Direktor des obigen Produktrates Dr. Attila Csorbai hatten als Fachreferent den Adjunkt an der Debrecener Universität Dr. Mihály Soós und den Wein & Gastro-Blogger und Foodstylist dr. Sándor Csiki eingeladen. Seitens der US-Botschaft in Budapest sprach die Vize-Konsulin Emily M. Stoll über diesen wichtigen Feiertag, Bräuche und Traditionen und natürlich die Begnadigung eines Truthahns seitens des amerikanischen Präsidenten. In diesem Jahr stammt der glückliche Puter aus Kalifornien und wird bis an sein natürliches Lebensende auf einer Farm in Virginia bleiben. Die amerikanischen Familien danken für die Erfolge und Gaben des zur Neige gehenden Jahres, teilen ihre Speisen mit anderen, bedürftigen Menschen.

Der amerikanische Gast betonte, dass zwar 50% der Truthahnzucht und auch des Verbrauchs in den USA realisiert werden, aber, ich zitiere, „The spirit of Thanksgiving ist universal”.

Diese Danksagung nahmen die ungarischen Fachleute zum Anlass, die ungarische Truthahnzucht unter die Lupe zu nehmen. Wie wichtig sind Puter und Pute in der ungarischen Geflügelwirtschaft, als Nahrungsmittel für ungarische Familien? Europa erstellt 37-38% der Produktion, Ungarn leistet dazu einen eher bescheidenen Beitrag, schon weil Truthahn kein Volksnahrungsmittel, sondern die Grundlage eines Festessens ist.

Die Züchter stöhnen unter dem weltweit höchsten MwSt.-Satz von 27% und haben wenig Verstandnis dafür, dass ab 2016 die MWSt nur für Schweinefleisch auf 5% gesenkt wird. Auf Milch und Molkereiprdukten lastet ein MWSt-Satz von 18%. Die guten Hygiene-Veterinärbedingungen machen die hohen Umweltauflagen und noch immer vielerorts veralteten Technologien nicht wett. Und nun soll sich auch TTIP auf die Branche auswirken. Der Sektor fühlt sich unterbewertet, es gibt keine oder kaum Fördermittel. Das nötige proteinreiche Futter ist teuer, muss importiert werden.  Seit der Wende gab es in der ungarischen Geflügelwritschaft und somit auch der Truthahnzucht ein ständiges Auf und Ab.

Der Europäer isst im Schnitt 4 kgPute im Jahr,  der Ungar5,5 kg, der Österreicher6 kg, der Deutsche5,7 kg. Und wo ist der Truthahn innerhalb der ungarischen Geflügelwirtschaft, d.h. im Verbrauch plaziert?  Platz 1. Huhn, Platz 2. Ente, Platz 3. Truthahn, Platz 4. Gans, nachdem der Truthahn die Gans gerade erst vom dritten Platz verdrängt hat.

Wie muss der Truthahn sein, um auch vom ungarischen Verbraucher als begehrtes Lebensmittel behandelt zu werden? Jung, zart, mit flexiblem Hals, erhab eine Meinungsumfrage. Es ist ums Prestige der ungarischen Puten schlecht bestellt, so Dr. Sándor Csiki. Der Truthahn braucht eine Story, Legenden, wie der amerikanische Artgenosse, der die Menschen in Amerika 1621 vor dem Hungertod bewahrte. Seither wird sein Image gepflegt und gehegt. Nicht so in Europa, wo der Truthahn die Speise der Wohlhabenden blieb, so Queen Victoria 1840 Gerichte aus Schwan und Gans serviert wurden, der Truhtahn aber gar nicht erwähnt wird.

Ob der Durchschnittsungar Speisen aus Putenfleisch lecker und gesund findet, hängt vom Wohnort (Städter entscheiden sich eher für Pute als Einwohner auf dem Land), mehr Bildung ab (trägt ebenfalls zur Bejahrung des Truthanhs als Lebensmittel bei). Putenspezialitäten gelten noch immer als ’kleiner Luxus’. Ergo: die Werbetrommel muss für Truthahn, Puter und Pute kräftig gerührt werden.

Das geschah schon im Frühjahr 2015 und wird zurzeit fortgesetzt: mit Gigantpostern, Werbung an öffentlichen Verkehrsmitteln wie der 4er und 6er Endlos-Straßenbahn an der Budapester Großen Ringstraße, in Kochsendungen im Fernsehen wie für 21.-25. Dezember in Paprika TV angekündigt, wenn als Zutat Fleisch nur Geflügel zubereitet wird.

Am Puten-Image wird gefeilt und die Vorzüge in den Fokus gerückt: Truthahn ist gesund, fettarm, passt in die ungarische Küchenkultur und moderne Ernährung im allgemeinen, es gibt ausreichend Arten und der Preis stimmt. Dass es ein jugendafines Lebensmittel ist, daran muss noch gearbeitet werden, und genauso an den Patriotismus (richtig gelesen!) des Verbrauchers appeliert werden: kauf ungarische Lebensmittel, kauf solche aus der Region!

Man gehe dem hungrigen, aufgeschlossenen Volk mit Rezepten zur Hand, die leicht in die Tat umgesetzt werden können und man rüttele seine Mitmenschen auf, sich nicht einfach wahllos  TV-Kochsendungen zu Gemüte zu führen, ohne das Gesehene auch nur einmal nachzukochen. Denn das ist, so der Fachjargon, Foodporno.

PS: Die Meldung in den heutigen (26. November) Frühnachrichten: US-Präsident Obama begnadigte in Anwesenheit seiner Töchter zwei!!! Truthähne, um ganz präzise zu sein, eine Pute und einen Puter. In den verschiedenen Nachrichtensendungen hieß es dann unterschiedlich: Der Brauch wurde von Abraham Lincoln bzw. erst von John F. Kennedy eingeführt. Schlagen Sie mal nach.