Ähnliche Experimente nehmen auch in deutschen Schulen zu, wobei jedoch vor allem Beispiele des Einsatzes von Facebook bekannt sind. „Immer wieder bilden Lehrer mit Schülern oder Schüler untereinander geschlossene Facebook-Gruppen, um so zu kommunizieren. Die Erfahrung zeigt, dass über diesen Weg Nachrichten der Lehrer zu Rückmeldungen binnen Stunden führen, während E-Mails zuvor tagelang unbeantwortet blieben”, berichtet Albers-Heinemann.
Interesse der Eltern entscheidend
Social Media ist längst Teil der Jugendkultur, zudem entwickeln sich Kinder und Jugendliche weiter und werden ihre derzeitige Mediennutzung auch später nicht ablegen, argumentiert der Experte. „Nutzung heißt aber noch nicht kluger Umgang. Die Frage lautet deshalb, wie weit sich die Schule erlauben darf, nicht auf diesen Zug aufzuspringen und nötige Kompetenzen zu vermitteln.” Denkbare Inhalte medienpädagogischer Vermittlung gebe es ausreichend – einerseits reflexive und zusammenfassende Fähigkeiten wie die bei Twitter erforderlichen, andererseits auch Themen wie Urheberrecht, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte.
Medienpädagogik heißt in Zeiten von Social Media vor allem, Eltern für die Begleitung ihres Kindes fit zu machen, so das Credo Albers-Heinemanns. „Während Jugendliche unter 20 nicht wissen, wie das Leben ohne Internet funktionieren würde, haben die Eltern noch Schwarz-Weiß-Fernsehen erlebt. Angesichts 800 Mio. Mitgliedern auf Facebook kommen viele nicht mehr mit.” Die beruhigende Nachricht: Nicht auf Wissen, sondern auf Interesse komme es bei der Begleitung an. Dieses sei durchaus da. „Früher mussten wir uns stets raffinierte Titel für Elternabende ausdenken. Heute reicht das Wort Facebook – und alle Eltern kommen”, schließt der Experte.
Kein Weg zurück
Allerdings gibt es auch Gegenstimmen, die der frühestmöglichen Mediennutzung äußerst kritisch gegenüber stehen. Suchtspezialisten etwa werden nicht müde zu betonen, dass Kindergehirne zuerst Erfahrungen abseits des Bildschirms brauchen, um später kompetent im On- und Offline-Leben zugleich zu sein (pressetext berichtete). Für Albers-Heinemann kein Grund, auf soziale Medien im Unterricht zu verzichten: „Wer glaubt, es gäbe einen Weg aus dem digitalen Zeitalter zurück, sieht die Realität nicht.”

