Diese in früheren Jahrzehnten noch organisatorisch völlig eigenständigen Medien waren 2011, kurz nach Amtsantritt der rechtskonservativen Regierung von Viktor Orban, unter dem Dach der Medienholding MTVA vereint worden. Sie blieben allerdings in Form von vier Aktiengesellschaften formell eigenständige Unternehmen. Nun wurden diese vier in die eine Duna Media AG umgewandelt. Die Gründung der Duna Media basiert auf einer von der rechtskonservativen Regierungspartei Fidesz-MPSZ angestrengten Mediengesetz-Novelle.
Der Generaldirektor der Duna Media, Menyhert Dobos, unterstrich auf APA-Anfrage eine „effektivere, transparentere und einfachere Struktur” sowie geringere „administrative Aufgaben” durch den Umbau.
Duna Media ersetzt nicht die Medienholding MTVA, sondern besteht weiterhin neben ihr als Ersatz für die bisherigen vier Aktiengesellschaften. Dobos erklärte es so: Während Duna Media als Programmdienstleister auf der Seite der Besteller stehe, würde MTVA wiederum die bestellten Inhalte produzieren.
Kritik der Opposition
Die ungarische Opposition kritisierte die Gründung der Duna Media. Durch die Auslagerung der Öffentlich-Rechtlichen in ein einziges Unternehmen würde nicht nur die Transparenz der Verteilung von Steuergeldern an externe Produktionsfirmen erschwert, sondern zugleich eine Kontrolle im Personalwesen erleichtert und inhaltlicher Einfluss gefördert. Durch mehr Zentralisierung komme es zur Verringerung der publizistischen Autonomie innerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems, beanstandete Gabor Polyak von Mertek Media Monitor. Laut Dobos sind hingegen beim Medienrat, dem obersten Gremium der Medienaufsichtsbehörde NMHH, nur wenige Beanstandungen eingetroffen, was für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrages spreche.
Polyak ist Universitätsdozent und fachlicher Leiter der ungarischen NGO Mertek, die sich kritisch mit der Medienpolitik der Orban-Regierung auseinandersetzt. Er sieht allerdings in der Gründung der Duna Media keine unmittelbaren bedeutenden Änderungen für die Tätigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien. Die MTVA würde weiterhin der Hauptakteur im System bleiben, als Verwalter des gesamten öffentlich-rechtlichen Vermögens und als Arbeitgeber der überwältigenden Mehrheit der Beschäftigten.
„Keine politische Kultur“ im Sinne westeuropäischer Normen
Wie Polyak der APA gegenüber betonte, sei es in Ungarn und in Osteuropa im allgemeinen schwer, öffentlich-rechtliche Medien im Sinne von westeuropäischen Normen aufzubauen. „Leider gibt es in Ungarn keine politische Kultur, die dies ermöglichen würde.”
Das Jahr 2010, in dem die rechtskonservative Fidesz-Partei die Wahlen gewann, sei in Ungarn hinsichtlich öffentlich-rechtlicher Medien ein wirklicher Wendepunkt gewesen, „auch wenn zuvor nicht alles perfekt war”. Heute würden die Öffentlich-Rechtlichen so gehandelt, als seien sie „ein Kanal für die Botschaften der Regierung”. Der Aufbau der Strukturen der Organisationen im öffentlich-rechtlichen System „lässt eindeutig erkennen, dass es keine Absicht war, oppositionelle kritische Meinungen in irgendeiner Form in die Entscheidungen einfließen zu lassen”.
Zugleich könne nicht behauptet werden, dass man in den öffentlich-rechtlichen Medien keine oppositionellen Meinungen hören kann. Es gebe solche Meinungen, die jedoch immer zwischen den Meinungen von Regierungsparteien stünden. „Sie werden immer kommentiert, so dargestellt, als ob sie nicht so wichtig wären. Und das letzte Wort hat immer die Regierung, auch das erste Wort.”
Kein Wort der Kritik aus Brüssel
Polyak kritisiert auch Institutionen der EU, von deren Seite noch „keinerlei Kritik” hinsichtlich der Öffentlich-Rechtlichen in Ungarn zu hören war. Auch die EBU (Europäische Rundfunkunion) habe die MTVA ohne Frage umgehend als Mitglied aufgenommen und „noch nie ein Wort der Kritik gesprochen”. „Wenn die europäischen Institutionen keinen Mut aufbringen, was kann man dann von den Mitarbeitern der Öffentlich-Rechtlichen in Ungarn erwarten.”
MTVA wurde in den Medien als „Mammut” bezeichnet, die jüngst gegründete Duna Media wiederum als „Giga-Mammut”.

