Ormánság liegt im entfernten Südwesten Ungarn, im Komitat Baranya, 280 km von Budapest entfernt. Der besondere Name des Festivals soll an den Namen der Region in der Árpadenzeit erinnern. Bőköz = Ormánság. Die Geschichte hatte es in sich. Schon 1937 beschrieb Géza Kiss in der Soziographie ’Ormánság’ seine engere Heimat als einen armen, verlassenen Landstrich mit 46 Kleinsiedlungen. Die erkannte Tendenz setzte sich fort, verstärkte sich sogar als im benachbarten Jugoslawien Tito das Sagen hatte, denn Ormánság war Grenzgebiet. Die Dörfer verödeten, die Menschen, vor allem aber die Jugend zog weg, um anderswo, im Landesinneren eine Zukunft zu haben.

Vier Tage im September 2016 sollen zur ’Wende’, zum Aufbruch beitragen. Die ungarische Regierung lässt 20 Millionen Forint Fördermittel in die Region fließen, die Kunst- und Kulturschaffenden wollen auf verborgene Schätze, entdeckenswerte (dank des Stillstandes) erhalten gebliebene bäuerliche Architektur, Traditionen, Natur (an der Drau gelegen), regionale Küche und mit vielen Programmen für alle Altersklassen aufmerksam machen.

Mit dem Begriff ’Festival’ wird viel Unfug getrieben, so der im Ministerium für Humanressourcen für die Kultur zuständige Staatssekretär Dr. Péter Hoppál.

Trotzdem wurde quasi im Handumdrehen das BŐKÖZ Festival in den (vorläufig) drei benachbarten Gemeinden Kémes, Szaporca und Tésenfa auf die Beine gestellt: 23., 24., 25. September + ein vierter Tag, der 26. des Monats, wenn Schüler der Grund- und Mittelstufe nach Budapest fahren werden, damit, die älteren im Nationaltheater die Aufführung von Mihály Vörösmartys „Csongor und Tünde” (gehört zum Lehrstoff) erleben, die jüngeren den Tier- und Botanischen Garten besichtigen. Das ist genauso wichtig wie alle anderen Bemühungen, Ormánság aus dem bescheidenen Dornröschenschlaf zu wecken, denn viele der Kinder in dieser abgelegenen Region waren nicht nur noch nie in Budapest, sondern nicht einmal in den nahen Kleinstädten Harkány und Siklós.

Der umtriebige Theaterregisseur, Theaterdirektor, Erfinder mehrerer Kulturveranstaltungen, die heute zum Standard jedes interessierten In- und Ausländers zählen (z.B. Kapolcs) versucht sich nun am BŐKÖZ Festival und hat auch schon Politiker, so den eingangs genannten Staatssekretär, Bürger- und Gemeindemeister, den Direktor des Besucherzentrums Ős-Drava im Nationalpark Donau- Drau, das Nationaltheater und viele Künstler mobilisiert. An 23 Schauplätzen in den Gemeinden Kémes, Szaporca, Tésenfa und dem Besucherzentrum sind über 50 Programme mit 300 Mitwirkenden angesagt. In Kémes steht eine reformierte Kirche mit besonders schöner, farbenfroher Kassettendecke. Das Heimatmuseum sollte besichtigt werden, die große Festivalbühne wird auf dem Marktplatz vor dem Kulturhaus aufgebaut. Der bekannte Organist Xavér Varnus hat sich zum Konzert auf der 1888 gebauten Angster-Orgel in der reformierten Kirche von Szaporca angesagt. Für die Qualität der besonderen Kinderprogramme bürgen Namen wie Vilmos Gryllus und Edina Szirtes Mókus, aus Százhalombatta reist das 80-köpfige Volkstanzensemble Forrás an. Für den Öko-Tourismus soll die Werbetrommel gerührt werden, z.B. am Fekete Víz, dem schwarzen Wasser, einem Nebenfluss der Drau, und dem  Hétölés tó/See, wo die Bürgermeister der Region zum Anglerwettbewerb antreten sollen. Filme, die sich mit der Ormánság befassen werden aufgeführt (einer aus dem Jahr 1939), Ausstellungen eröffnet.

An Begeisterung und Schaffensfreude fehlt es den Veranstaltern nicht. Dank der staatlichen Fördermittel und der Sponsoren sind sie abgesichert und hoffen, dass sie mit „Eintritt frei!” viele Besucher nach Kémes, Szaporca und Tésenfa in die Ost-Ormánság locken können. Zu erreichen ist das Festival von Budapest aus über die Autobahn M6 und dann die Hauptverkehrsstraße 58, und zwischen den Gemeinden, die übrigens so gut wie zusammengewachsen sind, per pedes, auf dem Drahtesel oder einem Pferdegespann. Der touristische Wermutstropfen darf auch nicht übergangen werden: Es gibt keine Unterkünfte, nur eben etwas weiter gelegen, in Harkány, Siklós oder der Weinregion von Villány.

Trotzdem: BŐKÖZ-Festival in Kémes, Szaporca und Tésenfa am 23., 24. und 25. September 2016.